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Chris von: am: 12.01.2016
Chris Autor(in):    |   12. Jan 2016   |    Kategorie: Hunsrück, Kurz-& Rundtouren, RheinBurgenWeg, Rheinland-Pfalz, Romantischer Rhein,

Stahl-Burgen und Schieferhöhlen

Bacharach, der Ausgangspunkt dieser Wanderung, liegt mitten im Welterbe Oberes Mittelrheintal. Schon länger wollte ich hier wandern gehen, nun hat es schließlich geklappt. Mit dem Zug ging es bequem durch das Rheintal zum Ausgangspunkt. Die Wanderung, die ich absolvieren wollte, ist die Stahlberg-Schleife – ein Premiumwanderweg, der Ende Mai 2015 eröffnet wurde – und eine Rundtour zum RheinBurgenWeg.

Am Bahnhof in Bacharach richtet man sich nach dem Wegweiser zur historischen Altstadt. Dort geht es vor der St. Peters-Kirche die Stufen hinauf. Kurz darauf trifft man auf die Markierung der Stahlberg-Schleife, ein stilisiertes weißes R auf rotem Grund. Nach wenigen Minuten gelangt man zur Wernerkapelle.

Wernerkapelle

Ruine der Wernerkapelle

Ruine der Wernerkapelle

Die Chronik berichtet von einem Bürger aus Oberwesel, dem 16-jährigen Werner. Angeblich soll er 1287 eine Hostie entwendet haben. Um ihn an dem Schlucken derselben zu hindern, wurde er an den Füßen aufgehängt und anschließend in den Rhein geworfen. Bei Bacharach wurde sein Leichnam angeschwemmt und in der Kunibertskapelle begraben. Dorthin entwickelte sich in der Folgezeit eine Wallfahrt. Mit den Beiträgen der Wallfahrer errichtet man an Stelle der bisherigen Kapelle die Wernerkapelle.

Angeblich soll er von Juden ermordet worden sein, daraufhin erschütterte eine Progromwelle die Umgebung. Nach neueren Forschungen fiel Werner wahrscheinlich einem Sexualverbrechen zum Opfer. Dies sollte durch die falschen Anschuldigungen vertuscht werden. Erst im Jahre 1963 wurde der Namen Werners aus dem Heiligenverzeichnis gestrichen. Eine Gedenktafel mit dem Gebet Papst Johannes XXIII. wurde eingefügt.

Nach einem weiteren Anstieg erreichen wir die Burg Stahleck, von deren Aussichtsterrasse sich eine schöne Aussicht auf das Obere Mittelrheintal bietet.

Burg Stahleck

Burg Stahleck

Burg Stahleck thront über Bacharach

Die Anlage wurde vermutlich am Ende des 11. oder zu Beginn des 12. Jahrhunderts erbaut. Während des Dreißigjährigen Krieges (1618-48) wurde die Burg von unterschiedlichen Parteien achtmal belagert und erobert. Sie wurde 1689 durch Sprengungen stark beschädigt und in der Folgezeit Eigentum von Frankreich, das die Burg Stahleck 1815 an das Königreich Preußen abtreten musste. Im Jahre 1909 erwarb der Rheinische Verein für Denkmalpflege und Heimatschutz das Areal und ließ die Burg 1925 als Jugendherberge wieder aufbauen.

Nach dem Überqueren der Straße geht es den Pfad hinauf und auf den Grasweg. Nach einer Weile gelangen wir nach Steeg. Am Parkplatz befinden sich die Außenmauern eines Wartturms aus dem 14. Jahrhundert. Dieser war Bestandteil der ehemaligen Ortsbefestigung.

Wehrturm Steeg

Außenmauern des Steeger Wehrturms

Unser Weg führt rechts am Turm hinauf. Nach einer Weile erreichen wir einen Aussichtspunkt mit Blick zur Burgruine Stahlberg auf der anderen Seite des Tals. Im weiteren Verlauf passieren wir zwei Fledermaushöhlen und sehen kurz darauf oberhalb unseres Weges eine große Schieferhöhle.

Schieferhöhlen

Schieferhöhle

Schieferhöhle

Der bei Bacharach befindliche Schiefer ist Bestandteil des Kauber Zugs, einem Schieferzug innerhalb des Rheinischen Schiefergebirges, das innerhalb des Devon (vor 420 bis 360 Mio. Jahren) entstand. Dieser zieht sich vom Idarwald über Bacharach bis nach Usingen. Bei Kaub, etwas nördlich von Bacharach, befinden sich die größen Ausdehnungen der Lagerstätten. Die erste Erwähnung einer Schiefergrube bei Bacharach datiert auf das 14. Jahrhundert. Auch heutzutage wird noch Schiefer in der Gegend abgebaut, der z.B. für Kamine oder Wände verwendet wird.

Nach einem langgezogenen Anstieg erreichen wir die Burgruine Stahlberg.

Burg Stahlberg

Burgruine Stahlberg

Eingang zur Burgruine Stahlberg

Die Burganlage wurde wahrscheinlich Mitte des 12. Jahrhunderts errichtet und im 14. Jahrhundert erweitert. Es wird vermutet, dass die Burg von den Erzbischöfen von Köln in Auftrag gegeben wurde, um ihren hier befindlichen Grundbesitz zu sichern. Auch die Burg Stahlberg wurde im Dreißigjährigen Krieg beschädigt und 1689 im Pfälzischen Erbfolgekrieg zerstört.

Nach Besichtigung des Areals folgen wir weiter der Markierung der Stahlberg-Runde. Nach einem Anstieg begleitet uns die Aussicht auf die Ruine Stahlburg ein Stück, bevor es weiter bergan geht.

Burgruine Stahlberg

Blick auf die Burgruine Stahlberg

Auf der Höhe angelangt bietet sich ein Rundumblick über die Umgebung und in das Mittelrheintal. Unser Weg führt nun durch Felder und Wiesen, unterwegs bieten sich Rastplätze zur Pause an. Das nächste Ziel ist der Heinrich-Heine-Blick oberhalb des Rheinhangs, von dem der Blick über Bacharach und das Rheintal schweift.

Heinrich-Heine-Blick

Heinrich-Heine-Blick

Aussicht vom Heinrich-Heine-Blick auf Bacharach und das Mittelrheintal

Der Aussichtspunkt wurde am 9. November 2011 eingeweiht. Das Datum wurde bewusst ausgewählt: Die Nationalsozialisten errichteten 1933 ein 10 Meter hohes Hakenkreuz an dieser Stelle. Der Schriftsteller Heinrich Heine war selbst jüdischer Herkunft. Es ist gut vorstellbar, dass er hier seinen Roman „Der Rabbi von Bacharach“ schrieb.

Nun geht es durch ehemalige Weinberge abwärts. Nach einer kleinen Steigung geht es entlang der ehemaligen Stadtmauer hinab zum Postenturm und weiter zum Steeger Tor.

Ehemalige Stadtmauer Bacharach

Wanderweg entlang der ehemaligen Stadtmauer

Nach dem Überqueren der Straße und des Parkplatzes durchqueren wir die Stadtmauer. Dort verlassen wir unser Wegzeichen und laufen geradeaus am Bach entlang zur Ortsmitte. Ein Bummel durch die mittelalterliche Altstadt beendet diese schöne Wanderung nach knapp 14 Kilometern, für die ich insgesamt knapp sechs Stunden benötigte.





4 Kommentare »

  1. Friedrich G. Paff — 15. Januar 2016 @ 12:41

    sehr schön gemacht, wenn auch die Bedeutung von Stahleck als Stauferburg, Welfenhochzeit und Pfalzgrafenwiege total runtergespielt. Woanders errichten sie Stauferstelen, interessieren sich Gäste dafür.

  2. M.D.
    M.D. — 19. Januar 2016 @ 15:04

    Ahh, stimmt, da gibts ja ne „neue“ Schleife! Muss ich unbedingt auch hin, wenn wieder Wanderwetter ist.
    Bei deinen Bildern mit der tollen Aussicht wäre ich froh, es wär schon so weit. 😉

  3. Alexandra — 11. Februar 2016 @ 14:30

    Hallo,

    schöner Bericht, der richtig Lust darauf macht diese Schleife zu erwandern.

  4. Thomas Becke — 15. Februar 2016 @ 22:12

    Hallo Chris, verbringe mit meiner Freundin ein verlängertes Wochenende in Bacharach am Rhein. Deine hier vorgestellte Wanderung werden wir auf jedenfall mal nach gehen.

    Danke für den Tipp und Schöne Grüße aus Dresden

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