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Herbert von: am: 25.04.2015
Autor(in):    |   25. Apr 2015   |    Kategorie: Eifel, Kurz-& Rundtouren, Naturerlebnis, Rheinland-Pfalz,

Wanderung durch die Zeit – Das Immerather Doppelmaar

IM 4

Eigentlich war ein Ausflug in die Narzissenwiesen bei Kaltenherberg geplant, um den gelben Blütenzauber zu erleben. Ein Blick auf die Karte genügte, um diesen Plan zu verwerfen. 100 km hin, 100 km zurück waren für einen Mittwochs-Ausflug dann doch zu viel. Also die Umgebungskarte rausgekramt und nach Alternativen gesucht. Und gefunden! Das Immerather Doppelmaar. Und hier sollte uns ein Blütenzauber der ganz besonderen Art erwarten. Doch dazu später mehr.

Die Vulkaneifel hat viele bekannte Krater und Maare: Pulvermaar, Gemündener-, Schalkenmehrener, Weinfelder Maar und andere. Aber wer kennt schon das Immerather Maar und das Immerather Risch? Beide vulkanischen Ursprungs, das Eine ein mit Wasser gefülltes Maar, das Andere ein trockengelegter ehemaliger Krater, an dessen Hängen sich das Dorf Immerath ausdehnt. Interessant sind beide Maare allemal, denn über nur wenige Kilometer Strecke lassen sich die Geschichte seit der Eiszeit, die Gegenwart und die mögliche Zukunft der Eifelmaare erfahren.

Wir starten am Feriendorf Pulvermaar, mit dem tiefsten und größten Maarsee Deutschlands im Rücken. Das Pulvermaar ist in der letzten Kaltzeit vor 20.000 bis 30.000 entstanden und noch sehr nahe an seiner ursprünglichen Beschaffenheit.

Vis-à-vis des Feriendorf geht’s durch den Rott auf den Röckesberg, der weite Blicke in die Vulkaneifel bis hin zur Mosel bietet. Über feste Wirtschaftswege wandern wir zunächst in südöstliche Richtung. Nach etwa 1,3 km biegt der Weg dann scharf nach Nordosten ab. Nun überqueren wir die B 421 gehen diese dann einige wenige Meter entlang in südliche Richtung und dann weiter über einen heute nicht mehr gepflegten Wanderwegweg (Markierung versteckt) hinab zum Immerather Maar.

Der Weg ist von Wildsauen förmlich umgepflügt und mir schießt der Gedanke „Frühjahr – Frischlinge – angriffslustige Bachen!“ durch den Kopf. Aber tagsüber kann uns ja nichts passieren, in der Dämmerung oder Dunkelheit würde ich den Weg derzeit aber nicht gehen.

Der steile Weg führt uns aber jetzt schon vor Augen, dass die Natur in den letzten warmen Tagen geradezu explodiert ist. Das Weiß der blühenden Schlehen mischt sich mit den verschiedensten Grüntönen der Wiesen und der noch jungen Blätter. Herrlich! Und dann sehen wir den mit Wasser gefüllten Teil des Immerather Maars vor uns liegen.

Das Maar verfügt über keinen oberirdischen Zufluss. Es speist sich allein aus Oberflächen- und Grundwasser des Kraters. Die Wassertiefe beträgt maximal 2,90 m, während die durchschnittliche Tiefe bei nur 1,50 m liegt. Es wurde um 1750 durch einen Maarbach abgelassen und trockengelegt und diente im Weiteren als Weide. Die Maarfläche war sogar parzelliert. Zwischen 1914 und 1918 verwilderte der Bach, es kam zu einem Aufstau und zur Ausbildung eines flachen Maares.

Wir umrunden das Maar mit kleinen Abstechern in die Uferzone, bewundern die verschiedensten Wasser- und Sumpfpflanzen in der natürlichen Ufervegetation, begleitet von einem vielstimmigen Vogelkonzert. Den verwilderten Maarbach kreuzen wir über eine Holzbrücke, bevor wir zunächst dem Uferweg folgend dann durch einen im frischen Grün stehenden Buchenwald zum Kraterrand aufsteigen.

Auf unserer „Zeitreise“ haben wir gerade die „Lebensmitte“ der Eifelmaare durchschritten: Eine teilweise Verlandung der ursprünglich wassergefüllten Maarkessel. Uns erwartet nun das unvermeidliche Ende aller Maare: Die vollständige Verlandung hin zu Trockenmaaren am Beispiel des Immerather Risch.

Das Immerather Risch (mnd. „risch“ = Röhricht), nördlich des Immerather Maares gelegen, hat einen Durchmesser von 900 bis 1300 m und ist bis zu 90 m tief. Eindrucksvoll! Vermutlich ist das das Risch älter als das Immerather Maar. Im Risch liegt das Dörfchen Immerath. Überall im Dorf sind Stationen des Parcours der Sinne vorhandenen, die auf Hugo Kükelhaus (1900 – 1984) und seine Ideen, seine Aufklärung zurückgehen. Erst vor wenigen Jahren entstand nach seinem Vorbild dieses “Erfahrungsfeld”

Außerordentlich sehenswert ist die alte Schule mit dem Backhaus im Unterdorf. Dieses Fachwerkgebäude, wahrscheinlich schon im 17. Jahrhundert errichtet, diente den Immerathern und Winklern als Schulhaus. Der Backofen ist später angebaut worden. Ab 1979 wurde es gründlich und geglückt renoviert.

An der Schule, die heute ein Schulmuseum beherbergt, vorbei geht es hinauf zu einem Weg im Kraterrand des Risch, der zunächst auf etwa halber Höhe entlangführt. Tulpen, Narzissen und Hyazinthen blühen in den an den Weg grenzenden liebevoll angelegten Gärten um die Wette. Zwischen blühenden Schlehen und Wildkirschen geht es zu einem gerade fertiggestellten Rast- und Picknik-Platz mit Landschaftsliege, Tischen und Bänken. Jetzt noch ein wenig kahl, ist das zukünftig sicher ein idyllisches Plätzchen.

Bis zu diesem Platz haben wir schon den einen oder anderen Blick auf den Südwest-Hang des Risch mit der Dreifaltigkeitskapelle am oberen Maarrand erhaschen können. Man muss schon genau hinsehen, um sie wahrzunehmen: Die sonst durch strahlendes Weiß am grünen Maarhang kontrastierende Kapelle geht im weißen Blütenmeer am Hang fast unter. Ein herrlicher Anblick, den wir nach einem kurzen und heftigen Aufstieg auf die „nächste Ebene“ umso besser genießen können. Wir wandern weiter am Kraterand entlang und kommen schließlich über ein kurzes Stück Straße zum Dorfrand.

Nach dem Verlassen des Dorfes nähern wir uns langsam wieder unserem Ausgangspunkt. Auf Karten sind hier kaum noch Wanderwege verzeichnet, aber wir mussten nicht – wie befürchtet – den letzten Abschnitt der Tour auf Landstraßen zurücklegen. Zwar verlassen wir Immerath zunächst auf der K24 bis wir an einer Spitzkehre eine Ruhebank erreichen. Von dort gehen wir dann – einem Feldrain folgend – bis fast an die Bundesstraße und weiter am Rande eines Feldes parallel zur Bundesstraße, kreuzen eine Kreisstraße und wandern dann entlang des Bolzplatzes zurück zum Ausgangspunkt am Feriendorf.

Dreifaltigkeitskapelle

Dreifaltigkeitskapelle oberhalb Immerath

Wer die Tour optisch nachverfolgen oder nachwandern (lohnt!) will, hier die Tour auf OutdoorActive.

Folgende Textquellen habe ich (vor und nach der Tour) zu Rate gezogen: Wikipedia   und   jahrbuch-vulkaneifel.de





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