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Hans-Joachim von: am: 2.03.2015
Hans-Joachim Autor(in):    |   2. Mrz 2015   |    Kategorie: Bundesland, Naturerlebnis, Nordrhein-Westfalen,

This is the end – Kölnpfad, die Dritte

Kölnpfad (sch)adé – diesmal ohne Fasten

Weil Karneval ist, und weil Frau E. gerade Karneval feiert, kann ich mich dem Kölnpfad widmen. Denk ich. Ich also heute morgen in die Bahn, zum Hauptbahnhof und von dort mit der S-Bahn nach Worringen, in Nullkommanix. Echt. Und das alles für 2,80 Euro. Ich wusste gar nicht, dass die KVB so billig sein kann.

In Worringen – besser gesagt in Roggendorf-Thenhoven – geht es los. Hier startet die offizielle 4. Etappe des Kölnpfades: Von Roggendorf-Thenhoven durch den Worringer Bruch und dann am Rhein entlang nach Merkenich. Zum Thema »am Rhein entlang« hab ich noch was zu sagen, aber das kommt später.

Als ich aus dem Bahnhof komme, laufe ich erstmal rum wie ein blindes Huhn. Keine Markierung, kein großes Schild »Da geht’s lang«. Also heißt es suchen. Nach links geht es in Richtung einer großen Kreuzung. Kein Hinweis, nix. Also zurück und nach rechts, und tatsächlich am Parkplatz an einem Baum dann der weiße Kreis auf schwarzem Grund. Darunter ein Pfeil. Aber wo weist der hin. Nach links? Geradeaus weiter? Ich entscheide mich für letzteres. Hab ja mittlerweile so meine Erfahrung mit der Markierung. Dann lange wieder nix. Ich werde unsicher. Aber die Füße laufen weiter geradeaus, ich also mit.

Hier steht ein Foto mit dem Titel: Früh am Morgen –was such ich eigentlich hier draußen?  (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Früh am Morgen –was such ich eigentlich hier draußen? (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Tatsächlich, nach einer Zeit geht es über die Straße, dort an einer Info-Tafel über den Worringer Bruch wieder das Zeichen. Es geht sofort in ein unaufgeräumtes Waldgebiet, sieht etwas chaotisch aus. Wenn das Frau E. sehen würde. Hinter den Bäumen kleine und größere Tümpel, sprich Feuchtbiotope. Das Geschrei von Gänsen und anderem Getier ist nicht zu überhören.

 

Hier steht ein Foto mit dem Titel: Is there anybody out there, just to hear my song (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Is there anybody out there, just to hear my song (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Der Wald ist bald durch, jetzt geht es rechts, immer am Waldrand lang. Links von mir ausgedehnte Ackerflächen. Auch hier Gänse. Eine Gans sitzt oben im Geäst eines Baumes. Hab ich noch nie gesehen. Wirklich, ich wusste nicht, dass die das können. Wenn Frau E. das wüsste. Trotz des frühen Karnevalstages sind auch schon einige Hunde unterwegs, die Herrchen an der Leine brav hinterher. Ist nicht besonders spannend, aber die Sonne scheint. Nach gefühlten zwei Stunden stehe ich an der Neusser Landstraße, gleich um die Ecke die Alte Neusser Landstraße. Hier möchte ich nicht Briefträger sein. Aber zum Glück gibt es auch kaum Häuser. Bis auf eins, das ist aber sehr bewohnt. Zumindest der Anzahl der Autos nach, die davor stehen.

 

Hier steht ein Bild mit dem Titel: Trotzdem: Immer noch kalt am frühen Morgen. (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Trotzdem: Immer noch kalt am frühen Morgen. (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Ein Stück an der Straße entlang, dann nach links durch die Felder auf einen Damm zu und schon steh ich am Rheinufer. Ne, doch nicht, der Rhein ist noch gute 200 Meter weg. Aber die Markierung sagt, dass der Kölnpfad jetzt auf dem Damm bleibt. Nicht mit mir – das geht ja gar nicht. Sobald es möglich ist, verlasse ich den Fahrrad- und Fußgängerdamm Richtung Rhein. Fast unmittelbar am Rheinufer verläuft ein Wiesenweg. Also: Schade, aber Kölnpfad ist heute nicht länger, oder wie Frau E.  jetzt singen würde: Bye, bye my love, mach et joot, die Zick met dir war wunderschön.

 

Hier steht ein Foto mit dem Titel: Mit dem Fahrrad noch 17 km bis Köln-Zentrum – zu Fuß ist das sicher doppelt so weit. (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Mit dem Fahrrad noch 17 km bis Köln-Zentrum – zu Fuß ist das sicher doppelt so weit. (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Ich lauf lieber am Rhein entlang. Ist auch besser für die Füße. Zumindest am Anfang. An Langel vorbei, die Fähre reizt mich. Wieso eigentlich? Ich würd ja vielleicht gern am anderen Rheinufer entlanglaufen. Aber irgendwie krieg ich den inneren Schalter nicht umgelegt. Also stur weiter am Rhein entlang.

Ich lass Langel hinter mir, lass Rheinkassel und Kasselberg links bzw. rechts liegen. Es geht Richtung Merkenich. Immer noch am Rhein lang. Zum Teil direkt auf dem Uferkies. Und immer wieder Hunde. Quasi den letzten aller möglichen Kandidaten, der mir entgegenkommt, frage ich, ob ich bis nach Köln rein am Rheinufer bleiben kann. Als hätte ich es geahnt. Geht nämlich gar nicht, sondern gleich da vorne muss ich rechts, weil vor mir der Ölhafen liegt und da müsst ich schwimmen. Kann ich nicht, will ich auch nicht. Also geht es auf einem Trampelpfad durch den Wald zur Rechten (wieder unaufgeräumt), nach Merkenich hinein.

 

Hier steht ein Foto mit dem Titel: Das würde auch Frau E. gefallen: Unaufgeräumt kann auch charmant sein (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Das würde auch Frau E. gefallen: Unaufgeräumt kann auch charmant sein (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Dann nach links, ojeh. Kilometer für Kilometer geht es jetzt durch die Ford-Werke hindurch. Is nicht schön. Deshalb gibt es davon hier auch keine Fotos. Oder wie Willi sagen würde: Woanders ist ja auch Sch…! Endlich gibt es die Möglichkeit, wieder nach links zum Rheinufer zu gelangen. Mittlerweile bin ich schon längst in Niehl. Ich wusste gar nicht, wie viel Platz die Ford-Werke brauchen. Wenn die mal wegziehen, Mannomann. Was machen die dann mit dem ganzen Gerümpel? Einfach stehenlassen?

Hier steht ein Foto mit dem Titel: Gibt es bei Aldi nicht zu kaufen, erinnert nämlich an eine Moschee (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Gibt’s  bei Aldi nicht zu kaufen, erinnert nämlich an eine Moschee (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Wieder am Rheinufer, aber immer noch Industriegebiet. Ich komme mir vor, wie früher im Urlaub. Als ich noch jung war – als ich durch Süditalien getrampt bin. Wenn mich der Mensch, der mich ein Stück mitgenommen hatte, irgendwo im Niemandsland rausgeworfen hat. Plötzlich fühl ich mich wohl. Setz mich auf die Hafenmauer, genieße die Sonne – ist ja wie Urlaub. Ist ja doch schön hier.

Hier steht ein Foto mit dem Titel: Siehste, oder wie Frau E. sagen würde: Opjepass! (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Achtung, oder wie Frau E. sagen würde: Opjepass! (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Nur die Beine erholen sich nicht. Sind immer noch schwer. Nach der steilen Tour vorgestern zum Steinerberg hätte ich mir doch was Erholung gönnen sollen. Die Füße tun weh, Blasen an den Zehen. Ich muss an Frau E. denken. Die hat es auch mit den Füßen. Immer noch – und zwar richtig. Da geht’s mir eigentlich richtig gut. Also nicht jammern, tut Frau E. auch nicht, also weiter geht es. Nun über eine elegante Brücke über die Einfahrt zum Niehler Hafenbecken hinweg. Und weiter am Rhein lang, immer weiter, jetzt nur noch Kilometer fressen, nur noch ganz wenig Blick für die Landschaft. Nix anders wandern, nix Bilder für die Seele. Ich will nur noch ankommen.

Hier steht ein Foto mit dem Titel: Erinnert mich irgendwie an Süditalien, is so wie Urlaub (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Erinnert mich irgendwie an Süditalien, ist fast so schön wie Urlaub (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Ich erreiche Riehl, das Schwimmbad hat noch geschlossen. Weiter am Rhein entlang. Jetzt immer mehr Menschen mit bunten Kostümen und glänzenden Augen. Die kommen vom Zoch (Schul- und Veedelszüge). Ich bin von der Rolle – allmählich. Bin froh, als ich den Bahnhof erreiche. Der Entfernungsmesser zeigt knappe 26 Kilometer. Dabei sollten es heute 30 werden. Wären es auch geworden, wenn ich vom Bahnhof aus weitergelaufen wäre. Wollt ich aber nicht mehr. In dem Zustand sind mir Rekorde egal. Klappe zu, Affe tot. Also ab in die Bahn und ab nach Hause.

 

 





2 Kommentare »

  1. Designerin aus Mainz — 9. März 2015 @ 23:35

    Hallo lieber Herr Schneider, – dieses Mal haben Sie mich. Und zwar gleich in doppelter Hinsicht. Als erstes musste ich nämlich furchtbar lachen, über den letzten Satz in Ihrer Mail. Und der Rebell in mir war sich sicher: Jetzt muss definitv etwas geschehen, damit Herr Schneider nicht recht behält. 😉

    Es sollte eigentlich auch sofort sein, aber es hat dann doch noch so lange gedauert, dass ich selbst schon nicht mehr daran zu glauben schien, jemals auf Ihren Blogbeitrag einen Kommentar zu schreiben …

    Auf jeden Fall – seit Frau E. haben Sie mich. Bereits das zweite Mal habe ich nun den ganzen Reisebericht von oben bis unten gelesen. Ach, was sag ich, – verschlungen hab ich ihn! Und zwar sofort als die Mail in meinem Posteingang landete.

    Mag es am locker flockigen Sprachstil liegen, an der Würze der trockenen Ironie oder einfach daran, dass die Berichte nun eine richtige, echte Geschichte erzählen – dieser Post hat mir jedenfalls vorzügliche Unterhaltung beschert.

    Liebe Grüße aus Mainz

    Und ja, die Bilder mit den Kommentaren sind irgendwie auch gut …

  2. Hans-Joachim
    Hans-Joachim Schneider — 19. März 2015 @ 14:40

    Liebe Frau B. aus M. Nun, ich könnte sagen: Ich habe es gewusst. Aber nein, das stimmt leider nicht. Aber trotzden freut es mich ganz besonders, dass Sie einmal auf eine meiner Wanderbeschreibungen reagieren. Vielleicht erschaffe ich ja auch einmal eine Kunstfigur namens Frau B. aus M. Ideen hätte ich ja schon. Aber vorher kommt noch eine Frau D. aus A. dran.

    Herzliche Grüße aus K.

    Wir hören voneinander!

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