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Hans-Joachim von: am: 25.02.2015
Hans-Joachim Autor(in):    |   25. Feb 2015   |    Kategorie: Ahrsteig, Bundesland, Eifel, Events, Fachsimpeln, Fernwanderwege, Mosel-Saar, Moselsteig, Nordrhein-Westfalen, Regionen,

Fasten und Wandern zum Dritten

Stirb langsam … auf dem Kölnpfad 2

Es ist soweit: Hatte ich am vergangenen Sonntag nach dreitägigem Fasten eine Strecke von ca. 25 Kilometern hinter mich gebracht, ist an diesem Samstag die nächste Herausforderung zu bewältigen. Etwa 30 km sollen es heute sein und zwar auf der Etappe des Kölnpfades, die ich ursprünglich schon letztes Wochenende gegangen sein wollte. Den ganzen Tag soll die Sonne scheinen. Als ich um 9 Uhr morgens aufbreche zeigt das Thermometer knackige minus 8 Grad. Herrrrrrlisch!

Etwas klüger geworden durch die anfänglichen Verwirrungen bei der letzten Tour wegen des Wegverlaufs zu Beginn, habe ich am Abend vorher noch einmal auf die Karte des Eifelvereins geschaut und mir den ungefähren Wegverlauf eingeprägt. Ja, die erste Etappe des Kölnpfades soll es heute sein und zwar entgegen dem offiziellen Laufrichtung. Diese startet im Klettenbergpark. Von mir bis dorthin ist es ein knapper Kilometer. Es ist der 10. Fastentag, ich bin also gut «drin«. Mittlerweile habe ich fünf Kilo abgenommen, dafür aber zwei Kilo Wanderschuhe an den Füßen. Wieder habe ich nur heißen Ingwertee mit Zitrone im Rucksack.

Vom Klettenbergpark geht es erst einmal nicht in den Grüngürtel, sondern zunächst durch die umliegende Wohnsiedlung Richtung Bahndamm an der Rhöndorfer Straße. Und hier dann direkt auch wieder das erste Ärgernis. Am Weg parallel zum Bahndamm gibt es überhaupt keine Markierung, die mir anzeigt, ob es nach links oder nach rechts geht. Und natürlich hat mein Blick auf die kleine Karte im Internet auch nicht ausgereicht,  um mich auf diese Situation vorzubereiten.

Also erst einmal nach links bis zur nächsten Straßenkreuzung, aber auch hier keine Markierung, kein Hinweis. Also doch eher nach rechts! Ein ganzes Stück weiter dann doch der weiße Kreis auf schwarzem Grund. Ich bin jetzt also wieder in der richtigen Spur. Zwischen Bahndamm und den davorgelegenen Schrebergärten zur Linken und der Siedlung zur Rechten geht es stadtauswärts. Von der Geisbergstraße geht es Richtung Oberer Komarweg unter der ersten Bahnüberführung hindurch. Diese Unterführung ist so hässlich, dass es fast schon wieder schön ist.

Hier steht ein Bild mit dem Titel: Nicht schön, aber hässlich, und auch die Wegmarkierung könnte etwas genauer sein. (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Nicht schön, aber hässlich, und auch die Wegmarkierung könnte etwas genauer sein. (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Aber auch hier fallen die Wegmarkierungen nicht gerade durch Präzision auf. Kurz hinter der Unterführung geht es dann auf einen schmalen Pfad ein kleines Stück hinauf, wo ich dann parallel zu den Schienen stadtauswärts laufe. Über den Militärring geht es dann jetzt auf einer Überführung hinüber, dahinter gleich links durch den Stadtwald. Hier ganz frisch: eine wilde Müllkippe.

Hier steht ein Bild mit dem Titel: Nicht schön, aber hässlich, und auch die Wegmarkierung könnte etwas genauer sein. (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Noch hässlicher: wilde Müllkippe direkt am Kölnpfad (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Noch ein Stück parallel zum Militärring, über eine Straßenkreuzung hinweg und dann rechts zum Kalscheurer Weiher. Das erste landschaftliche Highlight dieser Tour, wenn ich mal vom Klettenbergpark zu Beginn absehe. Die Kälte hat den Weiher zufrieren lassen, aber noch gibt es freie Flächen, wo sich Enten und Schwäne tummeln.

Hier steht ein Bild mit dem Titel: Wer hat die Schwäne kaputt gemacht? (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Wer hat die Schwäne kaputt gemacht? (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Zeit ein bisschen zu schauen, Zeit sich mit einem heißen Tee etwas aufzuwärmen – obwohl sich diese knackigen Temperaturen wegen der trockenen Luft sehr gut aushalten lassen. Dann nach fünf Minuten weiter durch den Grüngürtel. Es geht hinüber über die Brühler Landstraße, stets in gehöriger Distand zum Militärrring. Auf der anderen Seite vernehme ich schon das permanente Singen von Autoreifen auf der Autobahn. Und hier gibt es dann wieder das schon von der ersten Tour bekannte Zick-Zack des Wegverlaufs. Will man so Kilometer schinden?

Hier steht ein Foto mit dem Titel: Schön knackig kalt, aber die Sonne scheint. Herrlisch! (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Schön knackig kalt, aber die Sonne scheint. Herrlisch! (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Kurz vor Hochkirchen geht es dann über die Autobahnbrücke. Und unmittelbar dahinter dann ein echtes Ärgernis. Gibt die Markierung des Kölnpfades des öfteren schon Grund zum Raten, hier hinter der Autobahnbrücke ist sie schlichtweg falsch (siehe Foto). Statt nach rechts, wie es die Kölnpfad-Markierung vorschlägt, geht es nämlich nach links – über die Straße und dann parallel zur Autobahn Richtung Hahnwald. An der Abzweigung dorthin schlage ich mich in den Wald.

Hier steht ein Bild mit dem Titel: Schön knackig kalt, aber die Sonne scheint. Herrlisch! (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Wie würden Sie hier laufen? Nach rechts? Falsch, es geht nach links! (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Mit ein paar weiteren Schlenkern führt mich der Weg schließlich zum Friedenspark. Immer noch scheint die Sonne. Hier mache ich meine erste größere Pause (10 Minuten). Etwas entmutigt sehe ich auf meinem Distanzmesser, dass ich erst knappe 10 Kilometer geschafft habe. 30 sollen es doch heute werden und schon jetzt habe ich schwere Beine. Die Schultern versteifen sich, der Nacken schmerzt.

Vom Friedenspark geht es hinein nach Rodenkirchen bzw. am südlichen Ortsrand daran vorbei. Auch hier ist die Wegweisung nicht immer eindeutig, aber ich weiß inzwischen, wie ich sie nehmen muss. An dieser Stelle mein Rat: Wer den Kölnpfad gehen will, sollte sich den entsprechenden Wanderführer aus dem Bachem-Verlag kaufen, denn so ganz ohne Karte oder Buch steht man manchmal etwas ratlos da. An etlichen Stellen sind die Markierungen so angebracht, das man sie erst sieht, wenn mal dran vorbeigelaufen ist, oder aber sie sind nicht eindeutig.

Hier steht ein Bild mit dem Titel: Weiß, macht seinem Namen mal alle Ehre! (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Weiß, macht seinem Namen mal alle Ehre! (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Wenn ich nun geglaubt habe, bald den Rhein zu Gesicht zu bekommen, so habe ich mich getäuscht. Irgendwann schwenkt der Weg plötzlich nach rechts, und führt dann immer weiter Richtung Süden. Auch dies wieder mit einigem an Zick-Zack und Wegversprüngen, meist am Waldrand, schließlich kündigt sich doch eine Siedlung an. Und jetzt endlich erahne ich auch den Rhein. Rechter Hand vor uns liegt Weiß. Aber kurz vorher biegen wir nach links zum Rheinufer ab.

Hier steht ein Bild mit dem Titel: Tier macht merkwürdige Sachen: Wie kommt das Zebra auf den Balkon? (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Tier macht merkwürdige Sachen: Wie kommt das Zebra auf den Balkon? (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Genau hier befindet sich der Fähranleger der kleinen Fähre von Weiß nach Zündorf. Und hier habe ich nun etwa 16 Kilometer in den steifen Muskeln und den müden Knochen. Ab jetzt geht es nur noch für ca. 6 km am Rhein entlang durch den Weißer Bogen bis nach Rodenkirchen. Kurz vor Rodenkirchen überlasse ich den Kölnpfad sich selbst, er wird schon alleine zurechtkommen. So wie ich auch.

Hier steht ein Bild mit dem Titel: Drei Baum, ein Vogel! Mist, da hat der Lektor wieder nicht aufgepasst. (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Drei Baum, ein Vögel! Mist, da hat der Lektor wieder nicht aufgepasst. (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Am Marktplatz in Rodenkirchen setze ich mich ins Eiscafé von Luigi und Maria, genehmige mir einen Espresso mit einem Schuss Honig. Das hat mir mein Fastenguru Susanne erlaubt. Es ist erstaunlich, wie Fasten die Körpersensibilität erhöht. Ich kann die belebende Wirkung von Espresso und Honig durch die Adern rinnen spüren.

Hier steht ein Bild mit dem Titel: Wasser, Schiff, Sonne – so schön kann Leben sein. (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Wasser, Schiff, Sonne – so schön kann Leben sein. (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Hier in Rodenkirchen (genauer gesagt am Parkplatz unter der Autobahnbrücke) beginnt/endet diese erste Etappe des Kölnpfades nach ziemlich exakten 22 Kilometern (nach meiner Messung). Ich bleibe weiterhin am Rheinufer, laufe im Sonnenschein vorbei an Alter Liebe und manch anderem Restaurantschiff Richtung Köln.

Hier steht ein Bild mit dem Titel: Alte Liebe, da fällt doch jedem von uns was ein. (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Alte Liebe, da fällt doch jedem von uns was ein. (Foto: Hans-Joachim Schneider)

An der Schönhauser Straße biege ich dann nach links ab und bin schon fast wieder zu Hause. Aber es sind noch ein paar Kilometer durch Raderberg, den Park in Zollstock und schließlich Klettenberg. Dass ich am Ende nicht ganz auf 30 Kilometer komme, sondern knapp darunter bleibe, wurmt mich ein wenig. Heute Abend werde ich mir zum Fastenbrechen einen leckeren Salat und ein Glas Wein gönnen.

Fazit: Wandern und Fasten geht prima, wenn man will. Auch wenn ich zwischendurch mal geschwächelt habe, gestorben bin ich nicht. Die Steigerungen der Streckenlänge auf 50 km pro Tag, die ich als Vorbereitung für das 24-Stunden-Wandern am Moselsteig im Mai in Bernkastel-Kues plane, werden nicht mehr unter Fastenbedingungen erfolgen, es sei denn, mich packt noch einmal die Lust. Dann wären aber statt 10 Tage 3 Wochen Fasten angesagt.

Und noch ein Rat an die Freunde vom Kölner Eifelverein: Das mit dem Wegeauszeichnen könnt ihr besser. Zumindest eure Kollegen im Ahrtal haben es bei der Auszeichnung des AhrSteigs vorbildlich vorgemacht.





1 Kommentar »

  1. Sabi — 26. Februar 2015 @ 14:40

    Wow, ich finde es bewundernswert, wie du fasten und wandern zusammen hinbekommst. Und trotz kleinem Schwächeln immer weiter machst. Das ist wirklich inspirierend. :)

    Lg aus Innichen

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