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Luzie von: am: 12.03.2014
Luzie Autor(in):    |   12. Mrz 2014   |    Kategorie: Eifel, Kurz-& Rundtouren, Rheinland-Pfalz, Traumpfad,

Auf abwegigen Traumpfaden bei Virneburg in der Eifel

Oder warum 976 Höhenmeter nicht unbedingt alpin sein müssen.

Virneburg

Virneburg

Als ich mich vor einigen Wochen bei wanderreporter.de anmeldete, hatte ich schon genau die Tour vor Augen, über die ich hier als erstes berichten wollte: Die perfekte Sonntagsrunde von rund 12,5 km und gemäßigten 239 Höhenmetern auf ausgeklügelten Wegen durch die abwechslungsreiche Landschaft der Voreifel mit römischen Tempeln, mittelalterlichen Burgen und geheimnisvollen Bunkeranlagen am Wegesrand… 

Nun, dazu vielleicht ein andermal!

Heute will ich über eine andere Sonntagsrunde berichten: Burgen und abwechslungsreiche Landschaft gibt es auch, nur kann diese Tour in der Osteifel mit 29,2 km und 976 Höhenmetern mit zahlreichen Umwegen und einer ungewollten Flussdurchquerung so gar nicht als perfekt, sondern allenfalls als sportlich bezeichnet werden kann.

Doch von Anfang an:

Ich bin die Luzie. Ich wandere gern und ich bin gerne mit dem Wohnmobil unterwegs. Das ist der Grund, warum ich vergangenes Wochenende vor dem karnevalistischen Treiben am Rhein in die Osteifel floh, genauer gesagt nach Falkleymühle, einem Campingplatz im Nettetal, unweit Virneburg mit seinem Traumpfad, dem Virne-Burgweg. Den wollte ich natürlich erwandern – wenn er mir auch mit 9,9 km und 313 Höhenmetern für einen Tagesausflug doch etwas mager erschien. Nachdem ich am Vortag bereits Teile des Traumpfades Heidehimmel erfolgreich mit einem „Zustieg“ unmittelbar vom Campingplatz aus verbunden hatte, packte mich nun abermals der Ehrgeiz, auch den Traumpfad Virne-Burgweg direkt vom – doch einige Kilometer entfernten – Campingplatz per Pedes zu erreichen und diesen so zu einer etwas größeren Runde zu erweitern. Abends am Laptop klügelte ich eine Runde von immerhin etwas mehr als 20 km aus, die ich zufrieden auf mein GPS-Gerät übertrug.

Das noch im Schatten liegende Nettetal am Morgen.

Das noch im Schatten liegende Nettetal am Morgen.

Am Sonntagmorgen brach ich in dem noch im Schatten liegenden und vereisten Nettetal Richtung Südwesten auf (hatte die Wettervorhersage nicht frühlingshafte Temperaturen für das Karnevalswochenende vorausgesagt!?). Gleich zu Beginn der Runde erwartete mich ein nicht ganz unanstrengender Aufstieg von für Eifler Verhältnisse recht steilen 200 Höhenmetern durch dichten Wald. Oben angekommen war mir endlich warm!

Ich querte eine Landstraße und erreichte kurze Zeit später einen kleinen Teerweg, der mich zur Grube Bendisberg, einem alten Bergwerk, das besichtigt werden kann, führte. Da ich noch einige Kilometer vor mir hatte, hob ich mir den Besuch für ein andermal auf. Mein Weg führte weiter ins Tal hinab zur Wallfahrtskapelle St. Jost, einer schmucken spätgotische Kapelle mit barockem Altar, die dem heiligen Jakobus (eben kurz: Jost) geweiht ist. Hier stieß ich auch schon auf den Zuweg zum Traumpfad, dem ich nun – ohne das GPS-Gerät eines weiteren Blickes zu würdigen – durch das Nitzbachtal folgte. 

Die Wallfahrtskapelle St. Jost.

Die Wallfahrtskapelle St. Jost.

 

Das Nitzbachtal ganz in der Nähe von St. Jost.

Das Nitzbachtal ganz in der Nähe von St. Jost.

Der Name des Traumpfades „Wanderather“ hätte mich stutzig werden lassen können, tat es aber nicht. Spätestens aber als an einer der nächsten Wegkreuzungen Virneburg geradeaus ausgeschildert war, während der Traumpfad nach rechts abbog, hätte ich stutzig werden sollen, tat es aber immer noch nicht. Denn ich erinnerte mich, dass ich am Abend zuvor noch auf der Karte gesehen hatte, dass der Traumpfad nicht auf direktem Wege vom Nitzbachtal nach Virneburg verlief, sondern vielmehr eine Schleife nahm. Ich beschloss diese bestimmt auf dem Traumpfad aus aussichtsreichen Gründen platzierte Schleife mitzunehmen – auch wenn sie einen kleinen Umweg von meinen ursprünglich geplanten Weg bedeutete. Ich lag gut in der Zeit, war voller Elan und Erkundungsdrang. Erst die immer wieder erscheinende Beschilderung „Hohe Warte“ ließ mich irgendwann aufmerken. Ich konnte mich eigentlich nicht erinnern, diesen Aussichtspunkt in der Planung wahrgenommen zu haben!? Ein Blick auf das bislang verschmähte GPS-Gerät verschaffte mir Gewissheit: Ich war offensichtlich auf dem falschen Traumpfad, nämlich eben dem Wanderather und nicht dem Virneburger! Ich kehrte um.

Rund 1,5 km nach dem falschen Abzweig traf ich dann endlich auf den „richtigen“ Traumpfad. Und obwohl ich zu diesem Zeitpunkt bereits die ersten Häuser von Virneburg fast erreicht hatte, beschloss ich, mir die besagte Schleife, die hier nun tatsächlich abbog, nicht entgehen zu lassen. Ich wurde mit herrlichen Ausblicken auf die Burg belohnt, die neben mir allerdings auch zahlreiche andere Wanderer genossen.

Blick vom Traumpfad auf Virneburg.

Blick vom Traumpfad auf Virneburg.

Gleich in einer der ersten Kurve kam mir ein älteres Pärchen entgegen. Er sprach mich im Vorbeigehen an, ob wir denn nicht Nachbarn auf dem Campingplatz seien? Stimmt, das sympathische Pärchen und ich teilten uns eine Wiese mit unseren Wohnmobilen. Sie seien bereits seit mehreren Tagen dort und fuhren jeden Tag zum Ausgangspunkt eines anderen Traumpfades, den sie dann erwanderten. Die Traumpfade gefielen ihnen wirklich gut. Als ich erwähnte, dass ich die Traumpfade in meine Wanderungen ebenfalls mit einband, beeilte er sich zu sagen, dass auch sie teilweise noch zusätzliche Schleifen liefen. Ich wollte seine Leistung nicht schmälern und ließ ihn also im Unklaren über die Länge meiner eigenen Tour, schmunzelte aber insgeheim etwas in mich hinein. Wir verabschiedeten uns. Als nun endlich auch noch die Sonne herauskam, gönnte ich mir erst einmal eine ausgiebige Pause. Ich musste schließlich gut in der Zeit liegen, wenn meine Nachbarn zur selben Zeit auf der kleinen 9,9 km-Runde erst hier waren.

Die „kleine“ Schleife des Traumpfades entpuppte sich allerdings tatsächlich nicht als eine, sondern gleich als mehrere auf und ab verlaufende Schleifchen und als ich das zweite Mal unmittelbar vor den Häusern von Virneburg stand, der Weg jedoch abermals abdrehte, kam ich mir schon ein ganz klein wenig verschaukelt vor… Um 14:30 Uhr stand ich dann endlich in der über dem Ort thronenden Burgruine der Virneburg. Es handelt sich um eine auch heute noch durchaus imposante mittelalterliche Burganlage der Grafen von Virneburg, die ihre Blütezeit im 14. Jahrhundert hatten, in der sie sogar mehrfach die Erzstühle von Köln und Mainz innehatten.

Eingang zur Burgruine Virneburg.

Eingang zur Burgruine Virneburg.

 

Innenhof der Burgruine.

Innenhof der Burgruine.

Ich machte ich mich nun zügig an den Abstieg. Denn es lag immer noch mehr als die Hälfte des Weges vor mir. Ich nahm mir vor, von nun an keine Umwege mehr zu gehen und strikt meinem GPS-Gerät zu folgen. Dies tat ich dann auch gleich unten am Burgberg, indem ich den Traumpfad verlies und stattdessen den direkten und recht steilen Aufstieg zum Brauberg durch das gleichnamige Wohngebiet (Am Brauberg) wählte. Oben angekommen, belohnte mich eine Schutzhütte noch einmal mit einem fantastischen Blick über Virneburg. Hier traf ich nun auch wieder auf den Traumpfad, mit dem ich nach Osten in Richtung  Blumenrather Heide abdrehte. Dabei handelt es sich um eine Bergheide, wie sie hier in der Eifel häufig anzutreffen ist. Entstanden aus einem eher unerfreulichen Grund, nämlich infolge von Waldverwüstung durch Übernutzung, sind diese Heiden heute faszinierende offene und weitläufige Landschaften.

Die Blumenrather Heide.

Die Blumenrather Heide.

Am Rande der Heide entdeckte ich dann einen Wegweiser mit der Aufschrift „Sechskantstein“, was für mich irgendwie vielversprechend klang. Ein Blick auf mein GPS-Gerät offenbarte mir überdies, dass auf dem Weg zu diesem Stein eine archäologische Fundstätte, um genau zu sein, ein Hügelgrab, liegen musste. Ich beschloss, meinen ursprünglichen Plan, von nun an auf keinen Fall mehr von meinem geplanten Weg abzuweichen, ein klein wenig zu modifizieren und diese beiden vielversprechenden Sehenswürdigkeiten noch zu erwandern. Ich bog also ab in den Mayener Hinterwald. Zunächst passierte ich das mutmaßliche Hügelgrab, das dort zwar laut GPS-Daten liegen musste, von dem jedoch weit und breit leider so gar nichts zu erkennen war. Und auch der Sechskantstein entpuppte sich als wenig spektakulärer Grenzstein. Wenn es sich auch sicherlich um ein außergewöhnlich großes Exemplar seiner Art handelte, so erschloss sich mir auch nach dem Durchlesen der Infotafel immer noch nicht ganz, warum dieser Grenzstein auf den Wanderwegen hier als Sehenswürdigkeit ausgeschildert war.

Der Sechskantstein - ein Grenzstein im Mayener Hinterwald.

Der Sechskantstein – ein Grenzstein im Mayener Hinterwald.

Um nun diesen Umweg nicht ganz umsonst gemacht zu haben, beschloss ich kurzerhand nicht zurück zu meiner ursprünglichen Route zu kehren, sondern mir von hier aus einen neuen Weg zurück zu bahnen. Es packte mich sogar der Ehrgeiz, auf keinen Fall auch nur teilweise auf der ursprünglichen Route und schon gar nicht auf Teilen des Hinweges zurückzuwandern.

Frohen Mutes – und ohne die Uhr auch nur eines Blickes zu würdigen – marschierte ich los und lies nun endgültig alle anderen Wanderer, von denen es auf dem Traumpfad nur so gewimmelt hatte, hinter mir. Entlang des Bächleins „Wilde Seifen“ stieg ich hinab in ein tief eingeschnittenes Tal, das rechts und links immer wieder von faszinierenden Felsformationen gesäumt wurde. Das Tal sollte an einem weiteren Bach enden – so hatte ich das jedenfalls zuvor auf meinem GPS-Gerät identifiziert. Der Weg war hier zwar nicht ganz durchgezeichnet, ich wollte aber den Bach kurzerhand überspringen, um dann auf der anderen Seite nach ein paar Metern quer Feld ein auf einen anderen Weg zu treffen, der mich dann relativ zügig nach Norden Richtung Campingplatz bringen sollte. Alles andere wäre ein langer, ja sogar sehr langer Umweg gewesen.

Weg oberhalb von Wilde Seifen.

Weg oberhalb von Wilde Seifen.

Das Tal endete tatsächlich an einem Bach, nämlich dem Nitzbach. Der Nitzbach war jedoch ganz entgegen seinem Namen eher ein Flüsschen, denn ein Bach und jedenfalls mehrere Meter breit. Ich suchte nach einer schmaleren Stelle oder nach einer flacheren Stelle mit Steinen, über die man hätte springen können – nichts! Auf dem GPS-Gerät entdeckte ich dann aber etwa einen Kilometer weiter östlich eine Stelle ganz in der Nähe eines Fischweihers, an der die Weglinie über den Fluss auf die andere Seite hin durchgezeichnet war. In Anbetracht der vorgerückten Zeit legte ich einen Schritt zu und sah bald schon den besagten Fischweiher mit Angelhütte auf der anderen Seite des Flüsschens. Ich passierte den Weiher, sah jedoch nirgends eine Brücke oder auch nur eine nennenswerte Verengung des Wasserlaufs. Laut GPS-Daten musste ich längst an der besagten Stelle vorbei sein. Ich kehrte um.

Der Fischweiher.

Der Fischweiher.

Zurück am Weiher erkannte ich, dass dort kaum sichtbar ein Wirtschaftsweg Richtung Flüsschen abzweigte, der im Fluss endete, am anderen Ufer seinen Weg aber wieder aufnahm. Eine Furt! Für einen Jeep war diese auch gut passierbar, mir aber hätte das Wasser bis über die hohen Wanderschuhe gereicht. Im Sommer hätte ich ohne zu zögern die Schuhe ausgezogen und wäre barfuß hindurch gewatet. Jetzt aber hatten wir Anfang März und noch heute Morgen hatte es gefroren! Ich ging auf und ab, studierte den Wasserverlauf, suchte andere Wege auf meinem GPS-Gerät – nichts. Alle anderen Wege machten riesige Umwege bis sie wieder in Richtung Norden verliefen. Der Wasserverlauf war nur wenige Meter weiter wieder deutlich tiefer und – was noch schlimmer war – schloss auf der gegenüberliegenden Seite mit einer unüberwindbar hohen Felswand ab. Mit einem Blick auf die inzwischen schon tief stehende Sonne, ließ ich mich also am Wasser nieder, zog meine Schuhe und Socken aus, krempelte die Hosenbeine hoch und watete durch die eiskalte Furt. Auf der anderen Seite angekommen, trocknete ich mir – ich muss zugegeben, ein klein wenig stolz – die eisigen Füße mit Taschentüchern ab und zog mir Socken und Schuhe wieder an.

Ich marschierte weiter – und zwar steil bergan. Was ich vorhin an Höhe beim Abstieg ins Tal der „Wilde Seifen“ verloren hatte, musste nun naturgemäß natürlich wieder wettgemacht werden. In Anbetracht der inzwischen mehr als fortgeschrittenen Zeit absolvierte ich die rund 250 Höhenmeter prustend und keuchend im Stechschritt. Als ich durchgeschwitzt oben die Landstraße erreichte, war ich derart überglücklich, dass mich selbst der Umstand, dass ich mir noch kurz vor Erreichen der Landstraße durch einen falschen Abzweig nach Westen statt nach Osten noch einmal einen kleinen Umweg eingebaut hatte, nicht mehr aus Fassung bringen konnte. Von nun an ging es durch ein im Zickzack-Kurs verlaufendes Wegenetz stetig bergab.

Als ich den Campingplatz erreichte, brach die Dämmerung bereits herein. Mein GPS-Gerät zeigte 29,2 km und 976 Höhenmetern an und aus dem Wohnmobil der Nachbarn stieg längst heimelig der Rauch aus dem Kaminabzug auf. Ich fiel vollkommen erschöpft, aber glücklich in meinem Wohnmobil über einen Topf Nudeln her.





4 Kommentare »

  1. Karin — 12. März 2014 @ 22:48

    Hallo Luzie,
    willkommen bei den Wanderreportern! Kannst Du noch ein bissel was über Dich selbst in Deinem Profil ergänzen? Was Du so machst und warum Du gerne wanderst?

    Jedenfalls scheinst Du abenteuerlustig zu sein – sehr schön!
    Viele Grüße, Karin

  2. Thomas
    Thomas — 14. März 2014 @ 20:13

    Hey Luzie ,

    wandern ist schön – das ankommen nach 29,2 km noch schöner – und dann das Essen – jeder bissen ein Traum —–ahhhh .

    Toller Bericht .

    Gruß

    Thomas

  3. Luzie
    Luzie Aventura — 14. März 2014 @ 22:38

    Hallo Karin,

    vielen Dank für die Willkommensgrüße 🙂

    Das Profil werde ich auf jeden Fall noch nachholen!

    Viele Grüße
    Luzie

  4. Luzie
    Luzie Aventura — 14. März 2014 @ 22:41

    Hallo Thomas,

    danke schön – und in der Tat: es schmeckt einfach nie, niemals besser als nach dem Wandern 🙂

    Viele Grüße
    Luzie

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