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johanna_b von: am: 14.08.2013
Autor(in):    |   14. Aug 2013   |    Kategorie: Baden-Württemberg, Bundesland, Fernwanderwege, Naturerlebnis,

Auf den Spuren der Hugenotten und Waldenser durch das Heckengäu und den südlichen Kraichgau

Weinberge, Streuobstwiesen und 1000 Hügel

Im Heckengäu mit seinen wunderschönen Landschaften des nördlichen Schwarzwalds und der „Platte“ bis zum Südrand des Kraichgaus lässt sich die Waldensergeschichte wunderbar auf der Wanderschaft entdecken: mehrere Waldenserorte prägen die Kulturlandschaft des Heckengäus: Neuhengstett (Gemeinde Althengstett), Perouse (Stadt Rutesheim) sowie Lucerne (Gemeinde Wurmberg), Pinache (Gemeinde Wiernsheim) und Dürrmenz (Stadt Mühlacker). Alle diese Waldenserorte, die von Herzog Eberhard Ludwig von Württemberg auch in der Hoffnung auf einen Aufschwung der Landesentwicklung gegründet wurden, liegen am Hugenotten- und Waldenserpfad. Der Europäische Kulturfernwanderweg verläuft durch die vier Länder Frankreich, Schweiz, Italien und Deutschland und wurde im April 2013 offiziell als Europäische Kulturroute durch den Europarat ratifiziert. 

Markierung 2

 Auf unserer Wanderung  verlassen wir, von Süden kommend, den Schwarzwald hinter der Stadt Calw.

Auch diese Stadt hat einen Bezug zur Geschichte der Waldenser: hier gründete der Waldensernachkomme Johann Immanuel Perrot aus Neuhengstett 1860 eine Turmuhrenfabrik, in der viele Bewohner des nahen Waldenserortes Neuhengstett Arbeit fanden. Der Dichter Hermann Hesse absolvierte in dieser bis heute bestehenden Fabrik (damals in der Bahnhofstraße Nr. 20) in Jugendjahren ein Praktikum.

Der Weg führt über den Stadtteil Heumaden und das „Welsche Häusle“ nach Neuhengstett. Das „Welsche Häusle“ gab den Waldensern Neuhengstetts auf ihrem Weg zur Arbeit nach Calw Schutz vor der Witterung. Von hier aus bietet sich ein wunderbarer Blick auf die „Platte“ und die südlichen Höhen des Schwarzwalds. Sanft bergab führt der Weg durch Wald und Felder in die Waldenserkolonie Neuhengstett, ursprünglich „Kolonie von Simmozheim“ genannt, hinein. Die ersten 28 Siedlerfamilien nannten ihre neue Heimat zunächst „Bourcet“ nach ihrem Herkunftsort. Ab 1716 wurde die Siedlung dann offiziell „Neuhengstett“ genannt. Bis heute ist der „Koloniecharakter“ mit den langgestreckten Straßen und den regelmäßigen Gebäudestellungen im Ort spürbar.

 Seine Geschichte präsentiert Neuhengstett mit der 1769 errichtetenWaldenserkirche, dem alten Waldenserfriedhof mit einem Waldenserstein sowie mit einem Gedenkstein und Steinplatten mit den Namen der Herkunftsorte am Rathaus.

DCF 1.0

Welsches Häusle bei Calw

Das Heimatmuseum „Bourcet“ ist in einem liebevoll restaurierten traditionellenWaldenserhaus untergebracht. Detailgetreu eingerichtete Räume und weitere Ausstellungen über Geschichte, Handwerk und waldensische Traditioneninformieren anschaulich und geben einen interessanten Einblick in die damaligen Lebensverhältnisse der waldensischen Dorfbewohner. Zusätzlich bietet das Museum seinen Besuchern eine Multimediashow mit dem Titel: „Die Geschichte der Waldenser“.
Wir verlassen Neuhengstett am Nordrand des Dorfes zunächst in östliche Richtung, queren in einem Bogen die Kreisstraße und laufen dann auf Feldwegen auf Simmozheim zu. Hier in Simmozheim kamen 1699 -1701 27 Waldenserfamilien in Simmozheim an! Auf Anordnung des Herzogs musste Simmozheim diese Familien aufnehmen, bis geeignete Unterkünfte fertig gestellt waren. Ende 1700 wurde die Kolonie von Simmozheim auf Teilen der Markung Simmozheim angelegt, die 1716 den Namen Neuhengstett erhielt. 
Weiter geht es ein Stück auf dem Gäurandweg bis zur Kreisstraße 1021, die wir östlich des Möttlinger Köpfles überqueren. Wir wenden uns nach Osten, wandern durch den Wald auf Merklingen zu und weiter nach Norden durch Feldfluren am Maiberg vorbei, queren die Landesstraße L 1179 und laufen dann durch ein Waldstück in nördliche Richtung. Die Flurnamen „Grand Ordon“ und „Welscher Wald“ kündigen den Ort Perouse an, der 1699 von 71 Waldenserfamilien aus Perosa im Chisonetal (Italien) gegründet wurde. Perouse blieb lange ein kleines und armes Dorf, doch konnten die Bewohner u.a. mit der erfolgreichen Herstellung und Vermarktung von Sauerkraut zu einem allmählich wachsenden Wohlstand beitragen. Heute erinnern die Waldenserkirche von 1738 und ein Gedenkstein an den Pfarrer Henri Arnaud, das Pfarrhaus von 1762 und die Zehntscheune mit dem Rathaus von 1867 an die Anfänge der Waldenserkolonie. Eine Tafel hält die historischen Daten des Waldenserdorfes fest.Unser Weg führt an den schön sanierten historischen Bauwerken im Ortskern vorbei und dann weiter in nordwestliche Richtung. 

In Höhe Wurmberg geht eine Schleife des Hugenotten- und Waldenserpfads über Wurmberg-Neubärental mit der Waldenserkolonie Lucerne und der Stadt Pforzheim mit seiner vielseitigen hugenottischen Geschichte ab.

1699 liessen sich etwa 200 Glaubensflüchtlingen in der Gemarkung Wurmberg nieder und gründeten die „Colonie de Luserne et Queiras et Gailleche“, geblieben ist der Name Lucerne. Der Kaufmann Anton Seignoret, dem die Einführung der Kartoffel in Württemberg zu verdanken ist, wohnte in Lucerne. An die Geschichte der Waldenser und Hugenotten in dem Ortsteil „Lucerne“ erinnert heute ein Waldenserdenkmal im Ortskern Wurmbergs.

Nach Pforzheim kamen 1688 erste Hugenottenflüchtlinge, der Koloniegründung folgten Manufakturen, Industrie und Gewerbe. Besonders die Schmuck- und Uhrenindustrie verhalf der Stadt zu einer bis heute prägenden wirtschaftlichen Blüte, die in Museen und Einrichtungen wie Schmuckmuseum Pforzheim und Technischem Museum der Pforzheimer Schmuck- und Uhrenindustrie präsentiert wird.
Die Wegvariante verläuft von Pforzheim in nördliche Richtung und stößt bei der Hugenottenkolonie Knittlingen-Kleinvillars wieder auf den Hauptweg.

Von Wurmberg geht der Weg auf dem Hauptweg weiter über die freie Feldflur nach Wiernsheim und weiter bis zum Waldenserort Pinache.
Pinache wurde gemeinsam mit dem Nachbarort Serres 1699 gegründet. Bis heute ist die ursprüngliche Dorfanlage erkennbar: die Gebäude sind schnurgerade, mit dem Giebel des Wohnhauses zur Straße hin aufgereiht; der Grundriss der Höfe zeigt die typische „L-Form“.
In der Ortsmitte liegt die älteste Waldenserkirche Deutschlands aus dem Jahre 1721 mit einer imposanten Schieferhaube, davor ein runder steinerner Brunnen, erbaut 1741. Beeindruckend ist neben dem Waldensermuseum eine moderne steinerne Skulptur „Waldenserwellen“ im Ort. Ein kleiner historischer Abstecher auf einem Rundweg schließt eine Besichtigung von Serres mit ein.
Der Hugenotten- und Waldenserpfad führt auf dem Gäurandweg über die Höhen zunächst durch Wald, dann durch freies Feld auf dem Gäurandweg weiter nach Norden. Südlich Mühlacker erreichen wir den Stadtteil Dürrmenz, die letzte Waldenseransiedlung auf unserer Strecke.
Dürrmenz war ein zentraler Ankommens- und Verteilungspunkt für die Waldenser, von hier aus wurden sie ihren Kolonien durch die herzögliche Verwaltung zugeteilt. Die in Dürrmenz verbleibenden Waldenserfamilien erhielten keinen eigenen Ortsnamen, man nannte ihre Siedlung „du Queyras“ aus dem gleichnamigen italienischen Herkunftstal oder auch „Welschdorf“. Die Integration der Glaubensflüchtlinge in die deutschstämmige Bevölkerung verlief aufgrund des engen Zusammenlebens recht schnell.
Der Henri-Arnaud- Brunnen am Marktplatz von Mühlacker erinnert an die hier ansässigen Waldenser, außerdem widmet das Heimatmuseum in Mühlacker eine Ausstellung der waldensischen Geschichte und Kultur. 

 Mühlacker Henri-Arnaud-Brunnen Foto M. Läkemäker

Auf den Spuren der Hugenotten und Waldenser durch das Heckengäu, das bedeutet Wandern mit spannender Geschichte in weiter, vielfältiger Landschaft.

Informationen zum Gesamtweg, sowie detaillierte Routenführer für Baden- Württemberg sind beim Trägerverein Hugenotten- und Waldenserpfad e.V. unter www.hugenotten-waldenserpfad.eu erhältlich.

Der Hugenotten- und Waldenserpfad ist auch auf Facebook vertreten. Dort finden sich aktuelle Informationen zu den Aktivitäten auf und entlang der nationalen sowie internationalen Routenabschnitte. 





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