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Marcus von: am: 5.08.2013
Autor(in):    |   5. Aug 2013   |    Kategorie: Pfälzer Prädikatswege, Rheinland-Pfalz,

Pfälzer Waldpfad im Juli 2013 Teil 3

Freitag, Tag 6: In der Nacht hörte ich die Glocke von Schindhard die Stunden anschlagen und sie vergingen langsam. Als ich am nächsten Tag auf dem Pfälzer Waldpfad losging führte der Weg über einen weiten Bogen den Berg hinab.

Auch hier waren wieder Felsen zu sehen. Heraus aus dem Wald lief ich an großen Heuwiesen und Weideflächen vorbei. Gut dass die Rinderherde, die ich unabsichtlich aufschreckte hinter ihrem Elektrozaun blieb. Das hätte gerade noch gefehlt….Schindhard berührte ich nur am Ortsende und bog dann links in ein kleines Wiesental zur Bärenmühle ab. Über ein weiteres Seitental und eine kleine Anhöhe kam ich dann nach Busenberg. Als der Wald den Blick freigab, sah ich vor mir den Ort und dahinter den Drachenfels: ein massives Steinrechteck, das aus dem Wald ragte…und ein Fenster oder Loch zu haben schien. Da fiel echt Licht durch(!) In Busenberg füllte ich auf dem Friedhof noch mal Wasser auf, kaufte mir ein paar Äpfel und was Süßes und dann ging es hoch an die Burg. Von der Anlage stand nur noch die Vorburg mit den Toranlagen, auf dem Felsen selbst gibt es Treppenaufgänge, z.T. durch den Fels und ausgehauene Kammern. Das Tollste aber war dieses Loch: Es ist der Durchgang, um auf der anderen Seite mit einer Treppe ganz nach oben zu kommen.

So massiv und breit der Fels von vorne aussieht, von der Seite hat er die Form eines umgedrehten Trapezes. Am Durchgang ist er gerade mal 2m dick! Der Blick von ganz oben ist grandios. Man kann sogar die Dahner Burgen sehen. Ich machte hier Mittag und ging dann weiter Richtung Erlenbach. Als ich aus dem Wald hinter mir lies, bekam die Landschaft etwas parkartiges: Der Weg ging malerisch an Wiesen und Waldrändern vorbei.

Erlenbach wurde durchquert und auf der anderen Talseite ging es wieder bergauf zur Burg Berwardstein. Sie ist bewohnt und bewirtschaftet mit Führungen und Gastronomie. Ich stolperte nur mal durch den Burghof, der Trubel aber passte für mich nicht und ich sah zu weiterzukommen. Auf dem Grünberg gegenüber hatte ich dann auch einen viel schöneren Blick auf die Burg, die stolz aus dem Wald ragte.

Einziges Manko beim Aufstieg waren die Mücken, die mich hier fast aufgefressen hätten. Erst als ich den steilen Serpentinenpfad ins Portzbachtal hinabstieg, wurde es erträglicher. Im Tal selbst sind einige Teiche aufgestaut. In einem badeten Kinder und machten Krach für eine ganze Schulklasse. Ich fand’s schön, wie ihr Lachen durch das Tal hallte. Der Weg folgte von hier über einige Kilometer auf der rechten Seite dem Portzbach. Es ist ein idyllisches Waldtal. Angenehm kühl, vielleicht wegen dem Wasser, und je nach Sonnenstand leicht dämmrig. Es gab Ameisenhügel. An einer Stelle sogar drei neben einander. Interessant, wie weit entfernt man die Tierchen noch sieht. Dicht an ihren Häufen konnte man das Krabbeln sogar hören….

Am Hedwigsbrunnen füllte ich noch mal Wasser auf. Zum Waschen ging ich auf der linken Bachseite noch mal ein Stück zurück, wo aus einem Seitental ebenfalls Wasser kam, dass mir sauberer als der Portzbach erschien.

Erfrischt ging ich weiter. Der Weg wendet sich dann links, stieg langsam an und verlief an einer Bergflanke weiter, um die Ortschaft Bobenthal zu umgehen. Hier machte ich mir an einem Holzpolder noch mal was zu essen.

Es gab hier auch einen Apostel-Bartholomäus-Weg, der mit dem Waldpfad wohl auch ein Stück identisch ist. Einen der Denksprüche, die hier aufgestellt sind merkte ich mir: „Wer den Weg verfehlt, lernt ihn kennen“. Ist von den Tuareg.

Bald konnte ich unter mir die Landstraße im Wieslautertal hören. Sie umging wenig später den Propstberg, während der Waldpfad am Löffelkreuz den direkteren Weg über eine Senke zwischen den Bergkuppen nahm. Auf dem Probstberg wollte ich eigentlich die Nacht verbringen, aber es war noch zu früh am Tag. Außerdem: Je näher ich heute Weisenburg kam, desto schneller war ich morgen am Bahnhof. Also ging ich noch ein Stück. Erst hinunter an die Wieslauter, dann am Germanshof vorbei und vor dem Heiligenbach auf dem Langenberg. Hier war ich im Mundatswald, einem Politikum, welches bis in die 90er Jahre dauerte, wie ich später gelesen hatte. Ich wunderte mich, dass er viel eher von französischer Seite zugänglich war und von Deutschland eher abgelegen liegt. Und tatsächlich: Die Franzosen enteigneten ihn nach dem Krieg für die Wasserversorgung Weissenburgs. Trotzdem sollte das Gebiet aber nicht annektiert werden. Also war über Jahrzehnte die Rechtslage (etwa Jagt, Holzeinschlag, Umweltschutz …) unklar. 1990 einigte man sich: Der Wald ist deutsches Hoheitsgebiet mit deutschen Recht und als der Besitzer im Grundbuch trat der Französische Staat auf!!

Von hier aus hätte ich noch locker bis Weissenburg laufen können, aber ich blieb noch etwas da, genoss die Sonne und den Abend. In den Baumkronen summte es. Als Hobbyimker war es nicht schwer, dafür den Grund zu erkennen: die Kastanien blühten. Unglaublich, wie viele hier wuchsen. Bei der Heimfahrt entlang der Weinstraße fielen sie in den Wäldern mit ihren hellgrün blühenden Baumkronen auf 10km Entfernung auf….Was könnte man da Honig ernten;-)

Leider war der Akku vom Handy leer, was zur Folge hatte, dass die Verbindung mit dem Oberkommando daheim abriss. Es war also etwas unklar, wie ich morgen nach Hause komme, wann Züge fahren usw….

Samstag, Tag  7: Am nächsten morgen überschritt ich die Grenze und ging hinab nach Weissenburg. Ich hätte nicht gedacht, dass es hier schon auffiel, aber Frankreich ist irgendwie anders und wir beide müssen uns noch anfreunden;-) Die Wegemarkierung irritierte mich und ein bisschen hab ich mich auch „verlaufen“. Aber so groß ist das Städtchen nicht und irgendwie fand ich sogar den Bahnhof, der auf französisch „gare“ heißt. Wieder was gelernt! Die nächste Hürde schien der Kauf einer Fahrkarte zu sein. Doch zu meiner Überraschung stand da sogar ein DB Automat und es war alles kein Problem. Der Zug ging eine Viertel Stunde später und als das rhythmische Geräusch der Schienenstöße aufhörte, war ich sicher, wieder in Deutschland zu sein;-)

Vier Stunden später war der Outlaw wieder daheim.

Fazit: Tolles Abenteuer, aber Regensachen brauch ich bessere. Vllt Gamaschen für die Schuhe und einen ordentlichen Lederhut. Einen extra Teller würde ich auch nicht mehr mitnehmen, denn ich aß aus dem Topf und Wäsche wäre beim nächsten Mal auch weniger dabei. Dafür würde ich dann einen Wasch- und Ruhetag unterwegs einlegen.

Eine einzige Blase hatte ich (am kleinen Zeh) und auch nur, weil ich 1 ½ Tage in nassen Schuhe lief.

An einige Orte werde ich bestimmt noch mal zurückkommen, um sie meiner Familie zu zeigen.

Und wer nach meinem Bericht Lust hat, mal mit mir zu laufen, darf sich ruhig bei mir melden;-)   





1 Kommentar »

  1. Wanderreporterin Karin — 6. August 2013 @ 16:00

    Hallo Marcus,
    danke für Deinen kurzweiligen Bericht…. Der Waldpfad hat mir auch super gefallen. Ich habe dazu im Blog letztes Jahr einen Zweiteiler gemacht. Kannst ja mal reinschauen!
    http://www.wanderreporter.de/2012/04/19/wandern-mit-kind-und-kegel-teil-1-unterwegs-auf-dem-pfalzer-waldpfad/

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