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Marcus von: am: 3.08.2013
Autor(in):    |   3. Aug 2013   |    Kategorie: Pfälzer Prädikatswege, Rheinland-Pfalz,

Pfälzer Waldpfad im Juli 2013

Als ich 2012 das erste Mal vom Pfälzer Waldpfad gelesen hatte, war ich fasziniert. Da war die Rede von Felsen, die wie in Monument Valley rumstehen würden, gäbe es hier keine Vegetation. Von einsamen Wegen, tollen Burgen und gutem Essen….. Das weckte meine Neugier und mit diesen Erwartungen ging ich am 30.Juni von Kaiserslautern aus los. Anfahrt war mit der Bahn. Die S2 brachte mich von Heidelberg her. Sonntag morgens war die mit Wochenendausflüglern ziemlich voll. Unglaublich, wie viele Mountainbiker es in den Pfälzer Wald zieht….

An Gepäck hatte ich 25-28 Kg im Rucksack: Zelt, Schlafsack, Isomatte, Benzinkocher, Klamotten, Geschirr, Wasch- und Reinigungszeug, 3l Wasser, Proviant für fast eine Woche (Pumpernickel, Couscous, klare Brühe Pulver, Kekse, Brotaufstriche, Nüsse, Tee, Honig), Taschenlampe, Regensachen….. Der Rucksack war ziemlich schwer zu heben, aber wenn er mal auf dem Rücken war, ging es. Ich hatte ihn neu angeschafft und in den kommenden Tagen faszinierte es mich immer wieder, was man an daran alles verstellen konnte, bis er optimal saß. Fast wie ein Pferdegeschirr;-) Prrrrr.

Zu Beginn noch was allgemeines zum Weg: Er macht seinem Namen als „Pfad“ durchaus alle Ehre. Ein gefühltes Drittel geht wirklich auf Fußpfaden. Dazu auch ziemlich abseits der Zivilisation. Meist werden Ortschaften nur gestreift und umgangen, selten durchquert. Wer Einsamkeit sucht, kommt hier voll auf seine Kosten. Ich traf manchmal nur eine Hand voll Leute am Tag. Ich fühlte mich fast als Waldläufer oder Trapper…

Ursprünglich wollte ich mich auch an die vorgeschlagenen Etappen halten. Ich war unsicher, wie weit ich überhaupt käme. Gerade wenn ich an den schweren Rucksack dachte. Am ersten Tag wurde mir jedoch klar, dass ich meine eigenen Maßstäbe anlegen kann. So, wie es für mich passt. Ich wollte nicht rennen oder hetzen, aber auch nicht nur einen Spaziergang machen. Auf diese weise ging ich dann in 25km Etappen…..

In „Lautre“ ging es wirklich gleich hinterm Bahnhof los. Ein, zwei Straßen und man war im Wald. Zunächst schlängelte der Pfad sich neben einem Weg durch ein Tal, dann ging es steil bergan. Nach einer Stunde war ich am Humbergturm, wo ich Rast machte: Kocher raus, Tee machen, etwas essen. Drei ausländische Frauen am Tisch beobachteten mich neugierig, während sie selbst ihr Picknick vorbereiteten. Ich bot an, für sie Tee zu machen, wenn sie Wasser hätten. Aber das brauchten sie nicht: Sie packten einen Riesen-Kocher aus und als innerhalb einer halben Stunde der Rest der Familie da war, etwa 20-25 Leute, war kein Platz mehr auf dem Tisch vor Essen. Ich war in eine Großfamilie aus Eritea geraten, die den Sonntag Mittag hier verbrachte. Eine wirklich schöne Begegnung.

Dann ging es weiter: Der Pfad verlief kurvenreich auf der Höhe längs der Stadt. Durch Schneisen konnte man immer wieder einen Blick drauf werfen und hatte immer eine andere Perspektive. Nächstes Ziel war der Pfaffenbrunnen, dessen Wasser beeindruckend über eine große Kaskade aus Steinplatten mit Rinnen in der Mitte den Hang hinunter lief. Ich denke aber, dass das alles angelegt und nicht natürlichen Ursprungs ist.

Langsam bog der Pfad um den Berg und ich lies die Stadt hinter mir. Es ging durch ein Tal mit Landstraße, dann wieder bergauf, wo ich an Dansenberg vorbei ging. Am Rambachbrunnen und im Aschbachtal bekam ich einen ersten Eindruck der Einsamkeit, die mich die nächsten Tage erwarten sollte. Aber auch vom Wasserreichtum des Pfälzerwaldes. Kaum ein Tal ohne Bach. Hinter der Alten Schmelz machte der Weg einen ziemlich unsinnigen Haken, bei dem ich erst hinterher sah, dass man ihn hätte leicht abzukürzen können. Aber vllt läuft man dann über privates Gelände….

Am Ende des Hungertals ging es steil den Berg hoch. Teilweise war der Pfad mit Pflaster befestigt und wurde von einem Rinnsal mitbenutzt. Über die Höhe vom Blaukopf, wo ich noch mal Rast machte (hey, da sind tatsächlich kleine Mammutbäume angepflanzt!!), kam ich spätnachmittags im Finsterbrunnertal an. Der Trubel dort passte nicht für mich und als erstes Etappenziel war es mir noch zu früh. Also ging ich weiter und besichtigte die ehemaligen Hammermühlen am der Moosalbe. Eigentlich unglaublich, dass es hier vor 150 Jahren Schwerindustrie gab, mit rauchenden Holzkohlemeilern, Schornsteinen, Lärm, Verkehr, Bergbau und all der Umweltverschmutzung, die das mit sich bringt. Heute ist es ein Idyll…. Bei uns im Spessart war das vor 200Jahren ganz ähnlich: Glas und Erzverhüttung brachte Wohlstand in die Dörfer. Bronzekanonen wurden bis nach Holland geliefert. Und der Wald gnadenlos in den Schmelzöfen verheizt. Die heute wieder aufgeforsteten Höhen glichen einer Heidelandschaft…

Hinterm dem Mittelhammer begann dann das Karlstal. Es ist wie eine  Klamm tief eingeschnitten und eng, mit schroffen Felsen. Gleichzeitig aber auch sehr erschlossen und zugänglich. An der parallelen  Landstraße auf halber Höhe merkte man die Nähe von Trippstadt.

Nach dem Oberhammer wurde das Tal wieder flacher und der Weg verlief am Waldrand. Es wurde ganz allgemein auch ruhiger. In der Nähe von Gutenbrunnen/Lauberhof ging meine erste Etappe bei Km 25 auch zu Ende.

Montag, Tag 2: Nach dem Zusammenpacken ging ich noch 1 ½ km zur Moosalbquelle, um zu frühstücken. Es war ein herrlicher Morgen. Alles glitzerte noch vom Tau. An der Quelle füllte ich Wasser nach, kochte Tee und badete;-) Kaum wahrscheinlich, dass um diese Zeit jemand vorbeikam.

Die Erfrischung hielt aber nicht lange vor: Der Aufstieg nach Johanniskreuz hatte es in sich. Am Haus der Nachhaltigkeit las ich einen guten Satz: „Sie finden Nachhaltigkeit modern? Wir auch. Seit 300 Jahren“ Eine Anspielung auf Försterei und Waldwirtschaft.

Weiter ging es dann auf engen Pfaden zur Hindenburgkiefer. Ist wirklich ein mächtiger Baum. Nach einem Waldparkplatz führte der Weg zur Burgalbquelle hinab. Sie war zu einem Weiher aufgestaut aus dem an einem Überlauf das Wasser in eine stattliche Brunnenschale floss. Der weitere Weg blieb dann über einige Km auf der gleichen Höhe an der Flanke des Berges, während das Tal neben mir immer tiefer wurde und verdammt steil abfiel. Am Weißen Stein machte ich Mittag und der Weg verließ das Schwarzbach oder Burgalbtal und ging hinüber Richtung Heltersberg. Vor dem Molkenborn war der Wald gelichtet worden. Es standen nur noch große Buchen. Ein Förster erklärte mir mal, dass es schon eine Kunst sei, gerade soviel Licht im Wald zu schaffen, dass Bucheckern aufgehen können, aber Brombeeren nicht gleich alles wieder ersticken. Am Molkenborn füllte ich noch mal Wasser auf und möchte mich an dieser Stelle auch mal ausdrücklich bei jedem Verein oder jeder Initiative bedanken, die solche Wasserstellen erhält oder wieder herrichtet:-)

Nächstes Ziel war der Kieselweiher, wo es mal eine Siedlung und am Ende nur noch einen Hof gab. Aber auch der wurde im 19.Jhd aufgegeben.

Nach Heltersberg ging es dann auf einen Höhenweg mit verschiedenen Bergkuppen weiter. Erst am Hundsbächl musste man wieder in ein Tal runter und auch gleich auch wieder rauf, denn der Ort liegt auf einem Berg. Kurz gestreift kam ich rasch wieder in den Wald, überquerte den Dinkelsberg und kam dann an die erste größere Felsformation des Trails: Die Seelenfelsen. Der geheimnisvolle Name leitet sich entweder von einem Förster gleichen Namens ab, der hier eines Nachts tödlich verunglückte. Version II berichtet von einem Vater, der mit seinem Kind hier unterwegs war und das gleiche Schicksal hatte. Das Kind hatte dann anhand eines Lichtscheins (die Seele des Vater) Rettung und den Weg nach Hause gefunden. Unheimlich.

Der Pfad führt gut einen halben km unterhalb der Felsen entlang und es empfiehlt sich, beim Ansehen stehen zu bleiben, denn der Hang fällt zum Schwarzbach sehr steil ab.

Nächstes Ziel war das Dinkelsbächltal, wo ich zur gefassten Wilhelmsquelle ging (wieder Dank an den Heimatverein!!), um zu Abend zu essen und frisches Wasser mitzunehmen. Dann ging es gegenüber zur Heidelsburg hinauf. Im Grunde genommen steht sie auf der Fortsetzung des Seelenfelsenbandes, nur auf dem nächsten Berg.

Wer hier eine Ritterburg erwartet, liegt falsch. Es handelt sich um eine keltische Anlage und spätere römische Festung aus der Zeit Kaiser Konstantins. Damals war ja Trier eine der Hauptstädte des Reiches. Zu sehen sind noch Quader einer Toranlage, ein Relief, eine Zisterne (Brunnen?) und der Mauerrest an der bergseitig einzig zugänglichen Stelle. Ansonsten liegt die Anlage auf einem kühnen Bergsporn der ganz vorne einen tollen Blick auf das Schwarzbachtal freigab Es gab einen tollen Sonnenuntergang, auch wenn es vorher etwas Gewitter aussah. Nach diesem Tag lagen noch knapp 90 Km vor mir.





1 Kommentar »

  1. Norbert
    Norbert Schneider — 12. August 2013 @ 12:52

    Sehr schöne Beschreibung , da bekomme ich ja richtig Lust, die Tour auch mal zu machen. Dein Selbsprotrait auf dem Waldboden am Ende finde ich richtig Klasse.

    Gruß
    No

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