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Elke von: am: 25.03.2013
Elke Autor(in):    |   25. Mrz 2013   |    Kategorie: Fernwanderwege, Naturerlebnis, Regionen, Rheinsteig, Romantischer Rhein, Top Trails,

Eine Runde über den Rheinsteig bei Unkel

Die kleine Wanderfibel Siebengebirge hat es mir angetan. Also nehme ich auch heute eine dieser Wanderungen als Grundlage für meine heutige Tour. Die Seite Siebengebirge – Geh doch mal  bietet Informationen zur Gegend und die GPX Tracks und so bediene ich mich an diesem Service und schnell befindet sich die Tour „Unkeler Rheinsteig“ auf meinem Dakota 20.

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Den Rheinsteig  auf der Strecke Bad Honnef- Unkel-Linz  habe ich in Teilen und auch komplett schon einige Male erkundet. Unkel selber habe ich aber bisher nicht näher angeschaut. Das habe ich natürlich nachgeholt, lag ja auch auf der Strecke.

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Wie so oft, gelingt es mir mit gewohnter Präzision die Strecke verkehrt herum anzugehen. Das sollte sich später als Gewinn heraus stellen, denn die Uferpromenade von Unkel in der morgendlichen Sonne zu erleben war unglaublich schön. In dem Augenblick, als ich die historische Altstadt von Unkel betrat habe ich mich verliebt. Passiert selten, dass ich ein Gefühl von Heimat irgendwo verspüre, aber hier ist das geschehen. Diese Asphaltstrecke durch Unkel ist eine der schönsten der letzten Wochen.

Unkel ist bekannt geworden durch den Rotwein und einige berühmte Persönlichkeiten wie Willy Brandt ( Er hat 1979 bis zu seinem Tod 1992 dort gewohnt) Das Willy Brandt Forum einhält ein zeitgeschichtliches Museum mit dem privaten Arbeitszimmer des Politikers als Mittelpunkt der Ausstellung.

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Ich laufe auf den Rhein zu, entlang herrlicher Gebäude (Unkel bekommt einen Einzelbesichtungstermin) und schwenke dann auf die Günther- Lauffs- Promenade.

Die Promenade wurde nach dem Ehrenbürger Günther Lauffs  benannt. Er hat über viele Jahre die Firma Rabenhorst geleitet. Viele kennen noch den regelmässig verabreichten Rotbäckchensaft dieser Firma.

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Die Promenade wirkt sehr gepflegt und es macht Spaß in der Frühjahrsonne den Schiffen nach zu schauen. Unkel wirbt hier mit umweltfreundlichem Umgang sowohl mit der Natur als auch sorgsamen Gebrauch von Energien.

Gleichzeitig befinde ich mich schon auf dem Lein- bzw. Treidelpfad, der sich hier am Rhein von Basel bis in die Niederlande, fast vollständig erhalten, zieht. An der Ruhr bin ich erstmalig auf solche einem Pfad gewandert. Früher wurden diese Pfade genutzt um die Frachtschiffe per Zugtier zu ziehen.

Dem Leinpfad folge ich bis Rheinbreitbach, dort biege ich nach rechts ab (links wäre ich im Rhein gelandet). An Kleingartenanlagen geht es auf schmalem Wiesenpfad entlang bis zur Bahnstrecke.

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Die Schranke öffnet sich auf Zuruf (wenn nicht gerade, wie hier, ein Zug anrollt), es gibt hier tatsächlich noch einen Schrankenwärter. Nach Überqueren der Gleise wieder ein kurzer Zuruf „Gleise frei“ und die Schranke schliesst sich wieder. Schöne alte Tradition.  Wobei die Zugdichte auf dieser Strecke ein Wohnen in der unmittelbaren Nähe für mich unerträglich machen würde.

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Nun folgt ein Gang durch die Straßen Rheinbreitbachs, auch „Das Fenster zum Siebengebirge“ genannt.Hier erblicke ich ebenfalls alte Häuser und Fassaden.  Alles wirkt auf mich, als sei ich rd.  50 Jahre zurück versetzt in den damaligen Wohnort meiner Oma, in Nümbrecht.

Ich habe bereits Kaffeedurst und ein kurzer Blick über die Straße verleitet mich ein Geschäft zu betreten, das skurriler kaum sein kann. Eine Mischung aus Antiquitäten- und Blumenladen, links eine Sitzgruppe mit großem Tisch, belegt durch zwei ältere Damen des Ortes und im hinteren Teil eine Bäckertheke.
Auf meine Frage nach einem Kaffee läd mich die Dame des Hauses ein doch Platz zu nehmen. Und so sitze ich zusammen mit den Damen des Ortes bei einem Schwätzchen.

„Wo kommen Sie den her“
„Aus Leverkusen“
„Ach, da arbeitet mein Sohn“

Heiliger Bimbam, so klein ist die Welt. Nach ausführlicher Erläuterung wie man es am besten anstellt vernünftige Kinder groß zu ziehen, läutet die Uhr zur Mittagszeit.
12:30 – 15:00 Uhr wird nämlich das Geschäft geschlossen.

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Weiter geht es durch Rheinbreitbach, dessen inzwischen sanierte Unterburg sicher auch mal eine eingehendere Besichtigung wert sein dürfte. Den steil aufgehenden „Klettersteig“ zur Koppel hoch finde ich nicht und nehme einen ebenso steilen Pfad mit Stufen ein Stück weiter. Nichts für Weicheier, die Stufen sind richtig hoch und für Kinder unerreichbar. Und oben geht es dann nach links zum Aussichtspunkt Koppel

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Nach ausgiebiger Betrachtung der umliegenden Umgebung und den Ausblicken (den Drachenfels liebe ich besonders, weil ich ihn sofort erkenne :-)  ), geht es für mich weiter, wieder den Weg hinunter.

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Es muss hier Satanisten geben und das beunruhigt mich schon etwas. Warum lässt eine Gemeinde so eine Hütte stehen und mit dieser Aufschrift? Sieht nun nicht wirklich unheimlich aus, leider ist die fast gegenüber liegende Rasthütte nicht viel einladender. Mag sein, dass da noch ein Frühjahrsputz aussteht, so setzt sich dort aber sicherlich niemand hin.

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Die Wege waren bis hierher recht gut begehbar und die Witterung war, obwohl jetzt langsam Wolken aufzogen, sehr angenehm. So allmählich konnte ich die Fleecejacke ausziehen.

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Dieses Bild hier habe ich nur aufgenommen, weil auch hier spontan Bilder aus den Jahren 1994-2001 aufstiegen. In dieser Zeit verbrachten mein damaliger Partner und ich viele Wochenenden und Urlaube in Lommel/Belgien. Die Landschaft dort hat einen ähnlichen Charakter wie hier auf dem Foto zu sehen ist. Vorallem die Kiefern sind es, die diese Erinnerung wecken. Es war eine wunderbare Zeit, an die ich gerne zurück denke.

Um ein wenig dem Asphalt zu entfliehen wich ich später auf Reitwege aus, die ihrer Natur nach schon matschiger sind. Trotzdem empfinde ich das dann doch als angenehmer, als nur Häuschen zu schauen.

Teilweise liegt noch Restschnee an schattigeren Stellen, der hoffentlich bald verschwinden wird. Das Sonnenlicht fällt zwischen die Bäume auf den Laubboden und malt herrliche Schattenbilder.

 

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Breite Heide, ein Ortsteil Rheinbreitbachs, ist 16/17. Jahrhundert durch die Anfänge des Bergbaus entstanden.
Hier gerate ich dann auch auf den Rheinsteig, dem ich im groben für den Rest des Weges zurück nach Unkel, folgen werde.

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Vielleicht nicht für jeden verständlich, aber irgendwie hat mich diese kleine Kriegsgräberstätte angesprochen und meine Rast für Bütterchen und Ingwertee halte ich hier ab.

P1020736Weiter geht´s an vollkommen abgesoffenen Weiden und Wiesen entlang. Man hat dort derzeit nicht mal Vieh stehen.

Diese Eindrücke habe ich noch gut von vorigen Touren in dieser Gegend im Sinn.

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Rasten muss ich an diesem Aussichtspunkt noch nicht, aber kurz schauen und mich erinnern, wie es im Herbst hier ausgesehen hat, dafür reicht die Zeit.

Rechts von diesem Rastplatz liegen die Weinberge von Unkel, zur Zeit nicht so attraktiv anzuschauen.

Die Weinberge entlang geht es dann hinunter wieder nach Unkel. Auf dem Weg höre ich über mir die Kraniche rufen. Inzwischen ist mir klar geworden, dass die den Frühling zwar rufen, aber mitbringen tun sie ihn nicht. Es hat bei Eichsfeld ein Sterben dieser Vögel gegeben, weil sie in Nebel und sehr ungünstigen Thermiken die Orientierung verloren haben und gegen Gebäude und LKW geknallt sind. Ein trauriges Ende unserer Frühjahrsboten.

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Am Stuxhof angekommen, entscheide ich mich noch für einen Abstecher zum Aussichtspunkt Stux mit Blick auf Unkel.

Hier am Stuxhof gibt es übrigens so manche Leckerei zu kaufen, u.a. auch Wildfleisch.

 

Blick von Stux auf Unkel

Nur kurz verweile ich hier und laufe in einem Bogen wieder auf den Abwärtspfad Richtung Unkel Innenstadt. Und auch im Wald beginnt das Frühjar seine Wirkung zu zeigen. Leider kenne ich das Pflänzchen nicht, aber es gab reichlich Knopsen hier.

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Unten in Unkel angekommen, geht es schnurstracks zum Auto und flink den kleinen Rest Fahrstrecke bis Linz zurück gelegt. Dort wartet die kleine Enkelin auf die Oma. Und der gemütliche Teil meines Aufenthaltes hier ist eingeläutet.

Den GPS Track zur Strecke finden Sie hier: GPS

Mehr Berichte, auch zum Rheinsteig, finden Sie auf www.fotografischereisenundwanderungen.de





2 Kommentare »

  1. Karin — 25. März 2013 @ 23:21

    Hi Elke,
    ja, der Rheinsteig ist immer eine Reise wert! Und Unkel gefällt mir persönlich auch sehr gut. Danke für Deinen Bericht.
    Gruss, Karin

  2. Herr Einzel — 3. Juni 2014 @ 12:26

    Halle Elke,
    bin per Zufall durch Frau Gugl auf den wanderreporter und diesen Eintrag gestoßen. Da ich hin Unkel lebe und die Umgebung, die du beschreibst natürlich kenne, freut es mich umso mehr, dass Du Dich in dieses Innenstädtchen verliebt hast. Leider gibt es hier, wie anscheinend vielerorts am rechten Mittelrhein, ein Innenstdtabsterben durch mangelnde oder sich aufgebende Infrastruktur und durch Festhalten am kostbaren Rheinischen Brauchtum: Klüngel, Wein, Kirche.

    Vielen Dank für diesen Bericht und weiterhin viel Spaß auf dem Rheisnsteig

    Herr Einzel

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