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Karin von: am: 14.02.2013
Karin Autor(in):    |   14. Feb 2013   |    Kategorie: Events, Fachsimpeln, Naturerlebnis,

Was ich schon immer über „Jagd“ wissen wollte …

Der Herbst und Winter sind die Jahreszeiten der Jagden. Oh-weh! Muss das sein? Ich wollte einfach mal mehr wissen und habe mich das erste Mal in meinem Leben einer Drückjagd angeschlossen Es war auf  jeden Fall für mich eine interessante Erfahrung und ich habe viel dazu gelernt!

Unterwegs im Dienstbus von Landesforsten Rheinland-Pfalz

Unterwegs im Dienstbus von Landesforsten Rheinland-Pfalz

 

 

In dieser einzigen milden, schneelosen Januarwoche ging es los. Am Treffpunkt sammelten sich Jäger und Treiber, alle in knatsch-orangenen Warnjacken. Auch ich wurde mit einer Warnweste ausgestattet. Nach der fast feierlichen Einführung des Jagdleiters und einem schönen Jagdhorn-Aufttakt war ich an diesem Vormittag im Januar als „Treiberin“ unterwegs. Begleitet wurde ich vom Leiter des Forstames Koblenz, Herrn Eberhard Glatz, der mir unterwegs viele Fragen beantworten musste… Diese habe ich mal im Live-Stream zitiert…

Einweisung durch den Jagdleiter

Einweisung durch den Jagdleiter

 

Ich: Hallo Herr Glatz!  Ich bin heute mit Ihnen hier das erste Mal Teilnehmerin auf einer Jagd und bin schon sehr gespannt, was dabei so passiert. Wie viele Jäger und Treiber nehmen denn im Schnitt an einer Jagd in Ihrem Forstamt teil?

Herr Glatz: Im Durchschnitt nehmen an einer Drückjagd bei uns 30 Schützen und ca. 10 Treiber plus mehrere Hunde teil.

Ich: Wie oft führen Sie denn solche Gruppenjagden durch und in welchen Jahreszeiten?

Herr Glatz: Drückjagden finden meist ab Oktober bis in den  Januar statt. Sollte der Abschussplan früher erfüllt werden, wird das Wild auch schon vor Ende der Jagdzeit geschont. Diese  Saison haben wir 7 Drückjagden veranstaltet.

Ich: Sind da immer diese Hornbläser dabei? Ich finde das eine schöne Tradition!

Herr Glatz: Soweit Hornbläser verfügbar sind, sind diese auch immer dabei. Auch manche Forstamtsmitarbeiter pflegen diese Tradition gern.

Jagdhornbläser stimmen zur Jagd ein.

Jagdhornbläser stimmen zur Jagd ein.

 

Ich: Warum müssen die Jagden im Staatswald denn eigentlich sein und was würde passieren, wenn man nicht jagen würde.

Herr Glatz: Damit ein gesunder und artenreicher Wald wachsen kann, muss ein Gleichgewicht zwischen Nahrungsangebot und Wildbestand bestehen. Häufig ist heute dieses Gleichgewicht nicht ausgewogen. Die Wildbestände sind zu hoch und müssen reguliert werden. Davon profitiert nicht nur der Wald, sondern auch Reh und Hirsch selbst. Die kommen nun in geringerer Zahl vor und sind aufgrund geringerer Nahrungskonkurrenz auch gesünder. Nicht zuletzt wird dem Verbraucher durch die Jagd biologisch hochwertiges Fleisch zur Verfügung gestellt.

Ich: Sind den Drückjagden wichtiger als Einzeljagden oder braucht man Beides?

Herr Glatz: Beide Jagdarten ergänzen sich untereinander. Eine Jagdart allein kann das oben genannte Ziel nicht erfüllen.

Ich: Und was kostet so eine Jagd bzw. wer muss was bezahlen?

Herr Glatz: Die Organisation einer Drückjagd ist sehr aufwendig und stellt hohe Ansprüche an alle Beteiligten. Das ganze Jahr über müssen jagdliche Einrichtungen in Stand gehalten und erneuert, Hunde ausgebildet  und nicht zuletzt am Tag einer Drückjagd die Versorgung von Jägern und Treibern sichergestellt werden. Dabei fallen Kosten an, die zum einen durch den Verkauf des erlegten Wildes gedeckt  und zum anderen durch Standgebühren der Jagdgäste finanziert werden.

Ich: So – wir gehen los! Wie funktioniert die Drückjagd denn im Groben? Was muss ich als Treiberin eigentlich machen?

Herr Glatz: Am Morgen werden Treiber und Schützen vom Jagdleiter begrüßt und in den geplanten Ablauf der Jagd eingewiesen .  Dabei werden unter anderem Sicherheitsaspekte angesprochen und die jagdbaren Wildarten genannt. In der Regel beziehen die Schützen danach ihre Stände. Die in Gruppen eingeteilten Treiber beginnen anschließend zu einem vereinbarten Zeitpunkt mit dem  Durchdrücken des Jagdgebietes. Dabei wird nicht laut gerufen. Die Treiber gehen lediglich langsam in einer Linie (Treiberkette)  durch die Einstände, um das Wild ohne Panik in Richtung der Schützen zu bewegen.

Ich: Welche Rolle spielen denn diese Hunde bei der Jagd?

Jagdhunde sind beim Aufspüren hilfreich.

Jagdhund Diego bei einer Trinkpause an der Pfütze.

 

Herr Glatz: Gleichzeitig mit dem Beginn des Treibens werden auch die Jagdhunde von ihren Führern losgeschickt (geschnallt). Diese sogenannten Stöberhunde sollen das Wild nicht hetzen oder fangen, sondern es auf seiner Fährte verfolgen und es durch Bellen (Spurlaut) rechtzeitig „warnen“ und in Richtung Schützen treiben. Das Treiben selbst dauert in der Regel 2-3 Stunden. Anschließend wird das erlegte Wild an einem Platz gesammelt und versorgt, das heißt ausgenommen (aufgebrochen).

Am Galgen wird das Wild "aufgebrochen":

Am Galgen wird das Wild „aufgebrochen“:

 

Ich: Oh – da steht ja ein Wegweiser von einem Prädikatswanderweg, ich glaube dem Traumpfad Schwalberstieg. Wird der Weg denn während der Jagd nicht gesperrt um Wanderer nicht in Gefahr zu bringen?

Wegweisung Prädikatswanderweg

Bei Jagden dürfen die Wanderwege nicht gesperrt werden – Vorsicht ist geboten!

 

Herr Glatz: Nein, der Wanderweg darf während der Jagd nicht gesperrt werden, es wird lediglich mit einem Hinweisschild darauf aufmerksam gemacht.

Ich: Wie soll man sich den als Wanderer verhalten, wenn man solche Hinweise auf Treibjagd sieht? Ist das nicht gefährlich?

Herr Glatz: Die Sicherheit steht bei jedem Teilnehmer an erster Stelle und die Schützen sind für ihre Handlungen selbst verantwortlich. Allerdings lässt sich ein Restrisiko nie ausschließen, darum sollte man als Wanderer möglichst das Gebiet umgehen. Lässt sich dies nicht vermeiden, sollte man auf keinen Fall die Wege verlassen.

Warnschilder Treibjagd

Warnschilder – sie werden auf den Wanderwegen als Warnung aufgestellt

 

Ich: Hmm- eine vorherige Information dazu wäre natürlich wünschenswert. Und was passiert wenn nun Wildschweine und Rehe aufgescheucht wurden, wie gerade eben?

Herr Glatz: Bevor der Jäger schießen kann, muss er das Geschlecht, Alter und Gesundheitszustand des Stückes beurteilen. Das bezeichnet man als Ansprechen. Ist das passende Tier ausgemacht, bewegt es sich nicht zu schnell und ist die Entfernung nicht zu groß kann der Jäger es erlegen.

Ich: Es gibt ja immer so ein komisches Gefühl daran zu denken, dass jemand gesunde Tiere erschießt. Also ich weiß nicht, ob ich das könnte. Leiden die Tiere sehr dabei?

Herr Glatz: Schießt der Jäger verantwortungsvoll und trifft gut, dann verendet das Tier in der Regel innerhalb weniger Sekunden. Verglichen mit der industriellen Schlachtung, sind Tiere, die bei der Jagd erlegt werden  meist weniger Stress ausgesetzt.

Wildschweinspur im Erdreich

Wildschweinspur im Erdreich – auch Rehspuren habe ich viele gesehen!

 

Ich: Wir laufen ja jetzt schon eine ganze Weile quer Feld ein und das ist ganz schön anstrengend, vor allem das Überwinden der vielen Brombeerhecken und umgefallenen Baumstämme. Eben habe ich sogar eine Wildspur gesehen. Wann machen wir eigentlich eine Pause?

Herr Glatz: Während des Treibens werden hin und wieder kürzere Pausen eingelegt und nach dem Treiben beginnt das sogenannte „Schüsseltreiben“. Das heißt Treiber und Schützen kommen zu einer gemeinsamen Mahlzeit zusammen. In der Regel werden Treiber für ihre Arbeit gratis verköstigt.

Warme Suppe als Belohnung für Jäger und Treiber

Warme Suppe als Belohnung für Jäger und Treiber

 

Ich: Oh ja-diese Suppe schmeckt echt lecker!  Und das Feuer wärmt die fröstelnden Jäger wieder auf (die ja bei den Eisestemperaturen fast nur gesessen haben). Insgesamt sechs Tiere wurden erlegt. Was passiert denn mit dem Fleisch? Das ist bestimmt recht lecker, oder? Wo kommt man denn an solches Fleisch dran?

Ein Feuer zum Aufwärmen

Ein Feuer zum Aufwärmen

 

Herr Glatz:  Ja, Wildfleisch ist sogar sehr lecker, gesund und biologisch produziert. Die erlegten Tiere werden in einer nahegelegenen Kühlkammer weiterverarbeitet. Hier in Koblenz kann man zum Beispiel im Wildladen in unserem Haus Wildfleisch aus den Wäldern der Region erwerben.

Ich: Mensch, das muss ich glaube ich mal ausprobieren! Auf jeden Fall möchte ich mich sehr für die Teilnahme an der Jagd und die tollen Erklärungen bedanken.  Jetzt habe ich das auch alles viel besser verstanden! Tschüss und bis bald!

————————————————————————————-

Mit einem Kommentar möchte ich abschließen: Man muss insgesamt die Jagd nicht toll finden, aber es gibt ohne sie zu wenig Chance auf Selbstregulierung der Populationen im Wald. Wild hat zu wenige natürliche Feinde, breitet sich bei Nahrungsmangel auf Äcker und Vorgärten aus und richtet dort wirtschaftlichen Schaden an. Schade ist, wenn die Jagd einen schlechten Ruf erhält, weil sie möglicherweise mancherorts nicht sachgerecht ausgeführt wird und dabei Mensch und Tier sinnlos zu Schaden kommen. Es wäre schön, wenn wir ein wenig dazu aufklären konnten und zu gegenseitigem Respekt beigetragen haben.

Solltet Ihr weitere Fragen haben, könnt Ihr Euch auch direkt an ein Forstamt in Eurer Nähe wenden. Im o. g. Fall war es das Forstamt Koblenz. Das frische Wildfleisch ist wirklich fantastisch. Man kann es z. B. direkt im Wildladen kaufen. 

 

 

 

 

 





7 Kommentare »

  1. Elke — 14. Februar 2013 @ 15:59

    Ein toller Bericht vielen Dank und nun weiß ich sicher, dass die quer über den Hang am Rheinsteig verteilten orangen Punkte keine Niederländer waren, sondern Treiber und/oder Schützen.

    Vielen Dank für die Information
    VG
    Elke

  2. Homo Sapiens — 20. Februar 2013 @ 08:37

    „muss ein Gleichgewicht zwischen Nahrungsangebot und Wildbestand bestehen. Häufig ist heute dieses Gleichgewicht nicht ausgewogen. Die Wildbestände sind zu hoch und müssen reguliert werden.“

    Das einzige Lebewesen, das sich wirklich derartig vermehrt und das Gleichgewicht nicht nur in einem kleinen Wald, jedoch auf dem ganzen Planeten längst zum Wanken gebracht hat, Nahrungsmittel verschwendet und vernichtet, Lebensräume nachhaltig zerstört und ganze Spezies durch seine Lebensweise ausrottet scheint mir der Mensch zu sein. Was für ein Glück, dass sich bislang keine Instanz dazu berufen fühlt hier regulierend einzugreifen.

    Wobei: Mutter Natur wird es schon wieder richten – ggf. mit aller Gwalt.

  3. Marc — 20. Februar 2013 @ 09:13

    Ohne Sie an dieser Stelle angreifen zu möchten, aber der Kommentar ist leider nichts weiter als populistisches Jägerlatein: „….es gibt ohne sie zu wenig Chance auf Selbstregulierung der Populationen im Wald“. Das ist schlicht und ergreifend falsch. Durch „verbotenes“ Zufütttern über die Wintermonate tragen die sogenannten „Wildhüter“ vieler Orts selbst zur Population bei. (Hier hilft sogar ein Blick in die Wikipedia http://de.wikipedia.org/wiki/Reh ) „Wild hat zu wenige natürliche Feinde“ – Ob das womöglich daran liegt, dass man Wolf, Wildkatze und Luchs in Deutschalnd (nahezu) ausgerottet hat und sich vehement gegen deren „Wiedereinbürgerung“ wehrt? „Schade ist, wenn die Jagd einen schlechten Ruf erhält, weil sie möglicherweise mancherorts nicht sachgerecht ausgeführt wird und dabei Mensch und Tier sinnlos zu Schaden kommen.“ – Ich gehe davon aus, dass „…Tier sinnlos zu Schaden kommen“ als Kalauer zum Schluß dienen soll?! Kann man denn sinnvoll zu Schaden kommen? Und wer entscheidet über diesen Sinn? Ein Mann mit Flinte, der mithilfe eines Fernglases Geschlecht, Alter und Gesundheitszustand „des Stückes“ bestimmen kann?

    Viele Grüße
    Marc

  4. ruth — 20. Februar 2013 @ 13:49

    Ich kann mich dem Kommentar von Marc nur anschließen. Ist doch klar, dass Jäger ihr sinnloses abknallen in Bilderbuchsprache verpacken und sich als Held und Naturfreund hinstellen. Sind die Meldungen aus den Medien über die Jagd heutzutage und im allgemeinen an dir derartig abgebrallt? Dein Text und deine Erfahrung liest sich wie ein naiver Aufsatz aus der vierten Klasse. Vielleicht hättest du zur tatsächlichen Aufklärung anspruchsvollere Fragen wählen sollen.

  5. Karin — 20. Februar 2013 @ 19:10

    Hallo zusammen und danke für die kritischen Kommentare, die leider nicht gerade vor Fachwissen strotzen und an die Grenzen der Netiquette gelangen. Ein wenig fühle ich mich wirklich wie im vierten Schuljahr, wenn Lehrer Aufsätze in Einzelteile zerpflücken und satzweise bewerten 🙂

    Mein Beitrag enthält ein Interview, was tatsächlich so stattfand, erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und bezieht keine Partei. Gerne können sich hier kompetente Leute einbringen, die die Sachlage konstruktiv ergänzen bzw. andere Sichtweisen aufzeigen.

    Schönen Abend noch,
    Karin

  6. Katrin — 2. März 2013 @ 14:51

    Hallo Karin,

    ich finde schon, dass die Antworten deinen Artikel konstruktiv ergänzen und eben eine andere Sichtweise aufzeigen. Ich kann mich den Kommentatoren 2. – 4. nur anschließen, sie sprechen mir aus dem Herzen, und sie entsprechen den Schlussfolgerungen, zu denen ich gekommen bin, als ich mich einmal kritischer mit dem Thema „Jagd“ beschäftigt habe. Die Natur kommt bestens ohne das Eingreifen des Menschen aus, und das tat sie, so lange der Mensch sich aus der Natur nur das genommen hat, was er wirklich brauchte! Er erschafft mit seinem selbstherrlichen Verhalten die vermeintliche Notwendigkeit zum Jagen selbst! Erst bringt er die Natur ins Ungleichgewicht, betätigt sich als Schmarotzer und Ausbeuter, zerstört die natürlichen Nahrungsketten im Wald, füttert zu, und dann stellt er sich als „Regulierer“ und „Retter“ dar… Das ist auch mir zu kurz gegriffen und verschleiert die wirklichen Ursachen. Es gibt in der Tat keine wirkliche Notwendigkeit zum Abknallen von Wildtieren, wenn wir die Natur in Ruhe und in ihrem Gleichgewicht lassen!

    Ich würde mir eine viel kritischere Betrachtung dieses Themas wünschen, und mir schnürt es ehrlich gesagt den Hals zu, wenn z.B. Wildschweinfleisch als „sehr lecker, gesund und biologisch produziert“ angepriesen wird. Ja es werden alle möglichen Argumente strapaziert, um dieses fragwürdige Hobby zu rechtfertigen….

    Viele Grüße
    Katrin

  7. Karlo — 3. Dezember 2014 @ 21:27

    Man kann die Jagd in Deutschland schon kritisieren. Da ist manches fragwürdig oder gar unwürdig. Dieser Artikel hier allerdings skizziert eine Jagd, die ich für vernünftig und wichtig halte.

    Ich geh mal davon aus, dass die harten Kritiker hier, alle Veganer sind, die grundsätzlich Fleisch für sich als Nahrung ablehnen. Das ist OK. Aber wenn Sie unbedingt missionieren wollen, dann tun Sie das besser in einem Supermarkt oder beim Metzger in Ihrer Nachbarschaft. Die Tiere die dort als Nahrung landen, haben tatsächlich eine Tortur hinter sich. Oft von der Geburt bis zum Schlachthof.

    Wildtiere, die bei der Jagd ordentlich (wie gesagt, es gibt etliches zu kritisieren in der deutschen Jagd) geschossen wurden, hatten ein gutes Leben bis zu ihrem schnellen und plötzlichen Tod. Und ihr Fleisch ist unbelastet und schmeckt ganz ausgezeichnet.

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