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Georg von: am: 28.08.2012
Georg Autor(in):    |   28. Aug 2012   |    Kategorie: Eifel, Kurz-& Rundtouren, Naturerlebnis, Regionen,

“Zurück zu den Wurzeln” – oder: der “Köhler- und Loheweg” bei Ramersbach

“Wow!”

Aber der Reihe nach. Der “Köhler- und Loheweg” firmiert unter dem Label “Historischen Straßen an der Ahr”, wozu noch der “Eisenweg” (beginnend am Wandererparkplatz “Alte Mauer” an der L 84 zwischen Ramersbach und Ahrweiler) und der “Wacholderwanderweg” (ab Niederheckenbach vom Gasthaus “Tannenberg” an der K 56 aus). Die Informationen über alle drei Wege sind spärlich. Mir liegt ein kleines Heftchen des Tourismus-Services “Ahr-Eifel-Rhein”, der aber zwischenzeitlich diese Aufgabe nicht mehr übernimmt und also auch das Heftchen nicht mehr zur Verfügung stellt. Dass dann auch über die Historische Straße nur noch rudimentäre Informationen übers Internet bereitgestellt werden, stößt bei mir auf Unverständnis. Am 1. Mai gönnten wir uns zu viert den “Eisenweg” – und er war schon alleine wegen der römischen Eisenschmelzesiedlung die Erkundung wert. Nebenher marschierten wir durch Ramersbach, und das weckte bei mir Kindheitserinnerungen. Es ist fast 50 Jahre her, dass ich als Panz dann und wann dort bei den Verwandten war.

Doch bevor ich jetzt sentimental werde, erzähle ich lieber von der Wanderung über den “Köhler- und Loheweg”, der am Wanderparkplatz “Florianshütte” in Ramersbach startet. Der Zuweg dorthin ist einfach zu finden: wenn man mitten hinein in den Ort fährt, links auf die Kirche schaut und rechts die Bikerkneipe “Waka Waka” entdeckt, dann ist man richtig. Jetzt rechts am “Waka Waka” vorbei, bald danach die Florianstraße nicht verpassen, und von da aus nur noch geradeaus, zum Ort hinaus und geradewegs auf den Parkplatz zu. Dort erwartet uns auch die erste Schautafel mit Informationen zum „Köhler- und Loheweg“.

Und die erste Überraschung. Petra schaut zweifelnd. Ich lächle. Was soll ich auch sonst machen. Im besagten Heftchen war von 16 Kilometer Wegstrecke die Rede, die Tafel meint uns was von 18 Kilometer auf die Schuhe binden zu müssen. Das ist dann doch etwas weiter, als sie überhaupt wollte, denn “ein bisschen Wandern” stand auf dem Plan. Und nur weil ich den Autoschlüssel eilig im Rucksack verstaue und mich sofort auf den Weg mache, kann ich eine Diskussion, bei der “wir Männer” nur verlieren können (beispielsweise unser Gesicht, aber auch unsere gute Laune – und von der haben wir ja nicht so viel auf Lager), verhindern.

Wie gut, dass Petra mir winkend hinterher eilt. Sie winkt mit der Wanderkarte Nr. 9 “Das Ahrtal” vom Eifelverein – ein Wink mit dem Zaunpfahl, wie sich später noch herausstellt, und Gold wert. Schweigend setzen wir unsere ersten Schritte, was an der verlängerten Strecke, an der ersten kleinen Steigung, womöglich aber auch einfach nur am manchmal lauen, manchmal kräftigen Wind liegen kann, der die Wolken in den nächsten Stunden zügig über uns hinwegfegen wird. Ab und an schaut uns die Sonne zu, nur ganz selten kreuzen ein paar Regentropfen unseren Weg – kurz gesagt: Das Wetter ist ideal!

Moderne Kunst in der Eifel – der weltgewandte Stadtmensch stellt sich diese Skulpturen auch gerne in die rustikale Vitrine aus Eiche (furniert)

Moderne Kunst in der Eifel

Gutes Wetter sorgt ja selten für schlechte Stimmung, wahrscheinlich geht sich der Weg deshalb wie von selbst. Aber es ist auch einfach zu schön, so mutterseelenallein zu zweit die Felder und Wiesen zu kreuzen, nur kurz eine Straße zu überqueren und sich dann wieder über weiche Wiesenwege dem nächsten kleinen Waldstück zu nähern. Apropos Wege: Wer diese Historische Straße benutzt, wird alle denkbaren Wegearten unter seinen Füßen spüren. Es gaben sich ein Stelldichein: Asphaltstraße, Wiesenwege, Waldpfade, Wirtschafts- und Forstwege, Schotterpiste. Von keiner Art zu viel, von den schmalen Pfaden vielleicht (vielleicht!) ein kleines bisschen zu wenige. Aber die Mischung war gut. (Und grade bei Kübelregen gehen mir diese gern gesehenen Wiesenwege ja auch ganz schön auf den Senkel, muss ich mal sagen).

Und was macht das Auge dabei am liebsten? Es schweift gern in die Ferne. Und das ist auf diesem Wanderweg ja wirklich eine Gefahr. Alle Nase lang muss man gucken, hierhin, dorthin, aber immer weit hinweg. Vor lauter Gucken muss man nur schauen, nicht auf die Nase zu fallen. Die Blicke reichen weit über die Eifelhöhen, südlich in Richtung Taunus (ich wage jetzt nicht die Behauptung, ich hätte den Feldberg gesehen, aber …), zum Osten hin erhebt sich der Westerwald, und nördlich – ja, da wird es später noch interessanter.

Ist es ein Hexenhaus? Nein, es ist die Maisbuschkapelle, und sie wird durch ein stabiles Schloss vor bösen Wanderern geschützt

Hexenhaus? Nein, die Maisbuschkapelle – durch ein stabiles Schloss vor bösen Wanderern geschützt.

An der “Maisbuschkapelle” schöpfen wir dann zum ersten Mal wieder richtig Atem, den uns die vielen Ausblicke zuvor geraubt hatten. Der Parkplatz dort eignet sich als weiterer Startpunkt, diesmal entweder für die große Runde oder eine kleine, die 12 Kilometer lang ist und auf einer farbigen Karte in der Wikipedia sogar gut nachvollzogen werden kann. Das Kapellchen ist für mich nicht weiter der Rede wert. Spektakulärer nämlich ist der nächste Abschnitt, der uns erst einmal durch kleine Wäldchen mit lockerem Baumbestand führt. Zwischendurch stillen wir unseren Hunger, was auch nicht weiter erwähnenswert wäre, hätten wir nicht danach unseren Nachtisch selbst gepflückt. Die Brombeeren wachsen üppig, doch noch üppiger ist unser Appetit darauf, und nur weil wir schlimme Folgen auf dem weiteren Weg befürchten, lassen wir zwei oder drei Beeren an den Sträuchern hängen. Für die, die nach uns kommen.

Blauer Himmel und grüne Wiesen – wer bei solchen Farben auf die Idee kommt, dass Kühe lila sind, muss einen an der Waffel haben

Blauer Himmel und grüne Wiesen – wer kann bei solchen Farben auf die Idee kommt, dass Kühe lila sind?

Schnurstracks führt der Weg hoch zum Weiselstein. Doch zuvor haben wir noch die Möglichkeit, nach links zum “Waldgut Schirmau” abzuweichen. Die Gutsschenke “Remise” ist samstags und sonntags von 12 – 18 Uhr geöffnet.

Wir sind aber noch brombeer-satt und stiefeln lieber weiter. Das Gebiet um den Weiselstein hat sich in den letzten Jahren sehr verändert. Es ist kahler geworden, Bäume wurden vom Sturm niedergeworfen, flaches Gebüsch weitet sich aus, und die Heidepflanzen bedecken noch mehr vom kahlen Boden als zuvor. Und sie blüht bereits.

Der Weiselstein ist 475 Meter hoch, oben drauf noch ein Aussichtsturm: da ist der Weitblick garantiert. Also klettere ich hoch, schaue mich um und genieße bei frischem Wind die Aussicht, von der Kundige sagen, dass sie bis zum Kölner Dom reicht.

Ein Picknickplatz für gehobene Ansprüche

Ein Picknickplatz für gehobene Ansprüche

Natürlich fliegen die Augen auch in alle anderen Himmelsrichtungen. Und nach unten, und obwohl der Turm nicht allzu hoch ist, sehe ich alles aus einem ganz anderen Blickwinkel. Der Abstecher auf den Weiselstein ist einfach ein Muss, auch wenn der eigentliche Wanderweg zu seinen Füßen entlangführt.

Für manche ist es nur Heidegestrüpp, für andere Sinnbild einer wunderschönen Landschaft

Für manche ist es nur Heidegestrüpp, für andere Sinnbild einer wunderschönen Landschaft

 

So viel Landschaft ist irgendwann auch genug. Damit sich die Augen und die Sinne erholen können, schlängelt sich der Weg nun rasch den Weiselstein hinab, mündet in einige andere Wanderwege und geht mit ihnen gemeinsam ein gutes Stück. Zu unserem Leidwesen nimmt sich die Ausschilderung nun sehr zurück, sprich: Das bisher sehr zuverlässig angebracht “h” für unsere Historischen Straße macht sich einige Kilometer lang aus dem Staub. Wir orientieren uns an der Wanderkarte, fluchen etwas leise, haben wieder Freude an den kolossalen Fernblicken (diesmal gen Taunus und vermutlich darüber hinaus), und fluchen lauter, als wir einen Wasserspeicher erreichen, denn hier sind wir zu weit gegangen.

Also zurück bis zu einer unscheinbaren Bresche ins dichte Grün. Diesem Pfad folgen wir und treffen mitten im Wald wieder auf unser Zeichen. Schön, dass wir zu Teilnehmern an einem kleinen Ratespielchen geworden sind, doch wir hätten lieber zur rechten Zeit gewusst, wohin wir zu gehen haben. Erst in Schalkenbach normalisiert sich die Beschilderung wieder, aber  das eindrucksvolle Heidegebiet am Stucksberg hätten wir ohne Landkarte glatt verpasst.

Durch das stille Örtchen Schalkenbach eilen wir mehr, als dass wir uns umschauen. Dafür verweilen wir, nachdem wir einige Kehren den Hang hinauf genommen haben, an einem Platz, an dem wir mit vier Schautafeln über das schon in römischer Zeit praktizierte Rennfeuerverfahren und über Kohlemeiler informiert werden. Überhaupt die Stille – selbst die Dörfer strahlen Ruhe aus, und wenn nicht die Landstraße durch Schalkenbach führte, dann würden wir Autos und Industrielärm und all das, vor dem wir aus Neuwied geflüchtet sind, längst vergessen haben.

“Meins!” Und wieder schaut der Fotograf in die Röhre, wenn’s um die Nahrungsaufnahme geht

“Meins!” Und wieder schaut der Fotograf in die Röhre, wenn’s um die Nahrungsaufnahme geht

Spätestens am Weiselstein regt sich kein künstlicher Laut mehr, und auch die übrige Wegstrecke sind wir (fast) mit uns alleine. Und es duftet und riecht rund um uns herum eindrücklich nach Wald und Wiese, denn der Regen hat ganze Arbeit geleistet und alles weggewaschen, was unsere Sinne wie Ohren und Augen trüben könnte.

Wir verlieren Schalkenbach aus den Augen, als wir die letzten Kilometer durch mehr oder weniger dichten Wald zurücklegen. Unterwegs wartet noch die “Deufelsburg” auf uns, umrankt von schauerlichen Geschichten, obwohl sie vermutlich “nur” eine frühmittelalterliche Motte war, also eine einfache Befestigung. Der Tümpel dort entstand, als die Felsen der Deufelsburg im vergangenen Jahrhundert abgetragen und an anderer Stelle weiterverarbeitet wurden.

Das allerletzte Stück ist wieder ein schierer Augenschmaus; wir sehen uns noch einmal satt an der sagenhaften Weite – und sind sehr froh, dass wir uns nicht von 16 oder 18 oder wer-weiß-wievielen Kilometern abhalten ließen.

Und weiß der Teufel auch, warum der “Köhler- und Loheweg” nicht irgendwo im Internet beworben wird! Der Wanderweg scheint zwar auf den ersten Blick unspektakulär zu sein, aber unterwegs stellt sich ein so intensives “Wow!”-Gefühl ein … Ach, im Grunde sollte ich doch froh sein, dass vermutlich nur wenige auf die Idee kommen, den Köhlern und den Lohern zu folgen – so haben wir den Weg beim nächsten Mal auch (fast) für uns alleine.

Ich hoffe nur, jetzt nicht zu viele andere auf den Geschmack gebracht zu haben …

(Wer noch weitere Fotos sehen oder ein paar mehr Sätze der Hintergrundgeschichte erfahren möchte, den lade ich auf meinen Wanderblog www.schlenderer.de ein.)

 





5 Kommentare »

  1. Karin — 28. August 2012 @ 21:46

    Hallo Georg,
    schöner Bericht, tolle Fotos! Das Heide-Gestrüpp gefällt mir am Besten :-)
    Danke für den Tipp,
    Karin

  2. Georg
    Georg — 29. August 2012 @ 15:59

    Vielen Dank, Karin!

    Die Wege nahe bei den Traumpfaden geraden wohl etwas aus dem Fokus. Auch die beiden anderen „Historischen Straßen“, also der „Wacholderwanderweg“ und der „Eisenweg“, haben ihre Reize – und die verlieren sie ja nicht, nur weil sie kein Prädikat oder eine andere Auszeichnung aufweisen können.

    Und ihr großes Plus ist: Man ist noch einsam unterwegs. Gerade an Wochenenden, wenn die Traumpfade erwartungsgemäß gut (oder sehr gut) besucht sind, stellen sie eine Alternative dar.

  3. Eike — 1. September 2012 @ 08:28

    Hallo Georg,
    was für eine schöne Wander“Reportage“. Bei Deiner tollen Beschreibung wandert man quasi neben Dir her und – möchte dann einfach nur noch das sehen, was Du beschreibst. Einen kleinen Wow-Effekt hast Du auf jeden Fall virtuell vermittelt, und man denkt, man MUSS das mit eigenen Augen gesehen haben. Vielen Dank für diesen Geheimtipp – der vielleicht nun keiner mehr ist :) Aber unter Wanderfreunden …

    Bitte mehr davon!

  4. Georg
    Georg — 1. September 2012 @ 14:38

    Hallo, Eike!

    Das freut mich sehr, dass dir mein Bericht gefallen hat. Aber ich denke manchmal, dass es in der Eifel bei dieser Landschaft gar keine „schlechten“ Wanderwege geben kann – sondern nur die falsche Stimmung, die man als Ballast auf eine Wanderung mitbringt.

  5. Thomas
    Thomas — 2. September 2012 @ 20:20

    Hallo Georg ,

    Dein Weidegestrüpp ist wirklich sehenswert .
    Schöner Bericht . Ich werde die Ecke mal in meinem Hinterkopf halten .

    Bis dann .

    Gruß

    Thomas

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